„Bloß nicht erwischen lassen!“

Fehlerkultur und Führungskräfteentwicklung. Im Gespräch mit Ulf D. Posé
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Ulf D. Posé

Managementtrainer, Präsident der Akademie des Senats der Wirtschaft e.V.
POSÉTRAINING
Managementtrainer Ulf D. Posé spricht mit uns im Interview über die häufigsten Probleme mit der Fehlerkultur in Unternehmen. Welche Veränderungen bringen Digitalisierung und Generation Z mit sich? Und was kann die Personalentwicklung tun?

Ulf D. Posé ist Managementtrainer, Buchautor und Präsident der Akademie des Senats der Wirtschaft e.V. Er ist ausgebildeter Personalentwickler und wurde im Jahr 2000 vom BDVT (Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches) für exzellente Trainingsleistungen ausgezeichnet.

Er schreibt regelmäßig zum Thema Führungsdialektik, Unternehmensführung und Vertrieb für bekannte deutsche Wirtschaftszeitungen und Zeitschriften und hat als Managementcoach über 30 Jahre Erfahrungen in der Arbeit mit namhaften Konzernen.

Ulf D. Posé hält Vorlesungen an deutschen und internationalen Hochschulen und wirbt auch in den Medien für die Verträglichkeit von wirtschaftlichem Handeln und menschlichem Miteinander. Sein Motto: „Ich will Menschen helfen, größer zu werden.“

Inwiefern spielen bei dem Thema auch die Digitalisierung sowie die neuen Mitarbeiter-Generationen Y und Z eine Rolle? Die bringen ja ziemlich neue Vorstellungen von Arbeit in die Unternehmen mit.

Nicht nur für die Generation Y hat sich einiges verändert. Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass immer mehr miteinander geschrieben wird, per E-Mail,  WhatsApp, Facebook etc. Auf der Strecke bleibt das persönliche Gespräch. Das führt durchaus zu Missverständnissen durch die Interpretation des Geschriebenen. Das ist eine Veränderung, die alle Menschen betrifft. Gleichzeitig ist die Genrationen Y und Z sehr daran interessiert, an attraktiven Projekten mitzuarbeiten. Sie sind weniger bleibebereit als Ältere. Es geht der jungen Generation um Verantwortung für eine interessante Aufgabe. Hat das Unternehmen dies nicht zu bieten, ist sie weg. Gleichzeitig ist mit der Generation Y und Z eine Art Teamdogma entstanden. Alles muss im Team gelöst werden. Man setzt auf die Schwarmintelligenz und landet dann doch oft genug beim Herdentrieb. Hier gilt es zu lernen, wann ein Team Verantwortung übernehmen sollte, wann der Einzelne. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Teams derzeit schlechtere Entscheidungen fällen, als einzelne Experten, und, dass Teams durchaus bereit sind, Regeln (auch rechtliche Regeln!) zu brechen, da sich niemand verantwortlich fühlt.  Die schnelle Einigung steht im Mittelpunkt. Das verschlechtert die Qualität der Entscheidung. Genau hier sollte ein Lernprozess ansetzen, der Teams hilft, auch gute Teamarbeit abliefern zu können.

Alles muss im Team gelöst werden. Man setzt auf die Schwarmintelligenz und landet dann doch oft genug beim Herdentrieb.

Was können Führungskräfte tun, um an einer positiven Fehlerkultur mitzuwirken bzw. diese aktiv zu fördern?

Die Suche nach einer vernünftigen Lösung sollte im Mittelpunkt stehen. Führungskräfte können dabei durchaus die Sache kritisieren; aber nicht die Person. Auf Vorwürfe sollte verzichtet werden. Ein Chef, der gemeinsam mit dem Mitarbeiter eine vernünftige Lösung für einen Fehler, ein Problem sucht, wird erleben, dass Mitarbeiter vor diesem Hintergrund sehr gern Verantwortung übernehmen. Das Wort Verantwortung sagt es schon, es geht darum, eine Antwort geben zu können.

Zuletzt: Als Führungsexperte – welche Tipps können Sie Personalern zum Thema Führungskräfteentwicklung für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Es geht um die Frage, was geschehen muss, damit aus Führungskräften Führungspersönlichkeiten werden.  Im Kern ist für die Personalentwicklung wichtig, wie es gelingt, zwei Ziele der Führung unter einen Hut zu bringen. Das erste Ziel ist der wirtschaftliche Erfolg mit einem Minimum an Aufwand. Das betrifft neben der fachlichen Qualifikation die Fähigkeit, methodisch sauber gute Entscheidungen zu treffen, die dann auch mit einem Minimum an Aufwand realisiert werden. Es gibt einige sehr gute Entscheidungstechniken aus der Antike, die immer noch Bestand haben. Dialektisches Denken gepaart mit der Entscheidungsfindung der ars construenda vexilla, einer altrömischen Technik, können sehr dabei helfen. Das zweite Ziel ist, ein menschliches Miteinander zu generieren, in dem Mitarbeiter vertrauensvoll miteinander umgehen.  Hier ist die Vorbildfunktion gefragt. Inwieweit ist es der Führungskraft möglich, ein Vertrauensklima zu erzeugen nicht nur Anerkennung der Funktion, sondern durch Wertschätzung und Anerkennung der Person.

Vielen Dank für das Gespräch!

Seminar mit Ulf D. Posé: Ergebnisverantwortung und Fehlerkultur im Unternehmen

In dem Seminar erfahren Sie alles, was Sie über eine lösungsorientierte Fehlerkultur wissen müssen. Wie sollte delegiert und geführt werden, wie werden Fehler angesprochen und wie können Sie diese zu Ihrem Vorteil ausnutzen? Zum Seminar…