Das Leben hat nur so viel Sinn, wie Du ihm gibst.

Lassen Sie mich gleich vorweg etwas sagen. Jedes Leben hat für mich Sinn. Jeder Mensch kann den Sinn seines Lebens finden. Es ist kein Hexenwerk, es ist möglich. Die Frage ist nur, starte ich auch den Versuch oder habe ich schon aufgegeben, bevor ich angefangen habe?
Die Sinnlosigkeit ist für mich nur eine Vorstellung. Sie ist nicht real, sie ist nur wirklich. Sie findet in meinem Kopf statt. Selbst wenn ich meine, mein Leben hat keinen Sinn, so bedeutet das nicht, dass dem auch tatsächlich so ist. Schon der griechische Philosoph Epiktet meinte, nicht die Dinge selbst sind es, die uns Angst machen, sondern unsere Vorstellung davon.
Vielleicht habe ich den Sinn nur noch nicht gefunden. Ich muss also meine Suche nur fortsetzen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Das Grübeln über meinen Lebenssinn kann mich ganz schön fertig machen. Und es spielt eine große Rolle, wo ich den Sinn meines Lebens suche. Die Suche am falschen Ort lässt mich nichts finden. Es gilt den richtigen Ort der Sinnsuche zu bestimmen.
Gerade in einer Zeit, in der in unserer Gesellschaft viele wichtige Institutionen keinen Sinn mehr stiften können, da sie unglaubwürdig geworden sind, ist Sinnsuche nicht ganz einfach. Wir leben in einer Zeit, in der wir unseren Politikern nicht mehr über den Weg trauen.
Wirtschaftsführer gelten als gierig, abgehoben und korrupt. Religionsvertreter machen Schlagzeilen als Kinderschänder. Wir verzweifeln an denen, die eigentlich Vorbild sein sollen. So leben wir in einer Zeit, die uns unsicher macht. Nichts, was galt, gilt immer noch. Wir verlieren den Sinn. Wir beklagen den Verlust an Werten. Immer mehr Menschen scheinen sich daneben zu benehmen, und finden das auch noch völlig in Ordnung. So entsteht zunächst ein Wertevakuum, und gleich danach Orientierungslosigkeit. Und ein Mensch ohne Orientierung weiß dann irgendwann nicht mehr, wohin die Reise des Lebens gehen soll. Das heißt nicht, dass wir keine Werte hätten. Die haben wir im Überfluss, nur sind sie nicht mehr handlungsleitend, es hält sich kaum noch jemand daran. Damit sind die Werte nichts mehr wert.
Also ist die Frage, wie kann ich in einem solchen Klima den Überblick bewahren, mich einnorden, meinen Sinn finden und behalten?

Wir erleben immer mehr, dass bisherige Werte nicht mehr sinnstiftend sind. Weder in der Politik, noch in der Kultur, der Religion, der Wirtschaft, noch im täglichen Miteinander. Ulrich Wickert hat es in seinem Buch „Der Ehrliche ist der Dumme.“ Angeklagt. Und wenn der Ehrliche der Dumme ist, wer ist dann schon gern dumm?
Nicht umsonst fordern immer mehr Menschen strikte Strafen und Sanktionen für die, die sich daneben benehmen. Ich frage mich, ob wir über Strafen und Sanktionen für all diejenigen, die sich so schrecklich daneben benehmen, mehr Werteorientierung, und damit mehr Sinnstiftung bekommen werden. Ich meine eher nein. Was passieren wird, ist wahrscheinlich, dass sich Menschen überlegen, wie sie die Strafen vermeiden können. Sie fangen halt an, noch geschickter zu tricksen. Wir können noch so hart bestrafen, Sinn finden wir dadurch nicht. Außerdem bedeutet ein Werteverlust nicht selten, dass die ständige Forderung nach Werten zu so überhöhten Extremwerten führt, dass sie keiner mehr einhalten kann. Die Werte sind so hoch gesteckt, dass sie unerfüllbar werden. Der einzelne Mensch kann ihnen nicht mehr genügen. Also, was machen wir? Wir lassen es besser gleich sein, organisieren unser Leben ohne Werte, ohne Sinn. Und damit wird das Leben dann wert- und sinnlos. Somit feiert das ‚so-what-Syndrom‘ derzeit fröhliche Urständ.

Es fängt mit meinem Selbstbild an

Kinder haben bei ihrer Geburt noch kein Selbstbild. Es kann auch noch nicht existieren, da mein Selbstbild durch all den Zuspruch, die Ablehnung, das Wohlwollen, die Zärtlichkeit, eben durch das Feedback der Eltern, Geschwister, von Oma und Opa und all den anderen Menschen, denen ich in meinem Leben begegne, beeinflusst, ja bestimmt wird.
Wie werde ich auf dieser Welt empfangen? Bin ich ein erwünschtes oder unerwünschtes Kind? Begegnen mir Zuspruch oder Ablehnung? Wenn ich Fürsorge erfahre, dann merke ich als Kleinkind schon, ich bin ein wertvolles Wesen, denn genau dieses Gefühl vermittelt mir meine Umwelt. Werde ich abgelehnt, nicht genügend versorgt, vielleicht sogar misshandelt dann merke ich, dass ich unerwünscht bin. Mein Selbstbild flüstert mir jetzt zu: „Du bist kein wertvolles Wesen, Du bist eine Nullnummer.“ Und mit entweder dem einen oder dem anderen Gefühl tapse ich dann durch mein weiteres Leben, durch die Welt.
Das Selbstwertgefühl eines Menschen wird schon sehr früh, beginnend mit dem 1. Lebensjahr entwickelt. Das ist die Phase der Vertrauensbildung. Spätestens mit dem 2. Lebensjahr beantworte ich mir die Frage. „Wer bin ich?“ Etwa mit vier Jahren probiere ichalles aus, will alles selber machen, traue mir alles zu. Hier beantworte ich die Frage: „Was kann ich?“ Und Kinder in dem Alter können jede Menge. Nur kommt es darauf an, ob sie in ihrem Können bestärkt werden oder beleidigt: „Das kannst Du noch nicht, lass das, das ist zu gefährlich, komm, ich mach das für Dich.“ Und während meiner Grundschuljahre beantworte ich die Frage: „Was bin ich wert?“ Ich werde über Schulnoten mit anderen verglichen. Und zuhause entscheidet die Frage, ob ich wegen meiner Lei9stungen geliebt werde, oder weil ich bin, der ich bin.
Das sind zentrale Fragen des Lebens, die die Sinnsuche sehr stark beeinflussen. Die sogar dafür sorgen können, dass ein Mensch den Sinn seines Lebens sehr früh oder sehr spät oder auch gar nicht findet.
Eines ist dabei ziemlich klar und eindeutig. Der Sinn des Lebens wird nicht durch irgendwelche Gurus gestiftet. Das mag für die Sinnstifter selbst zwar gelten, aber Sinn können sie uns nicht geben, denn unser Leben hat nur so viel Sinn, wie wir selbst ihm geben. Die Antwort auf den Sinn meines Lebens muss ich mir also selber geben. Ein anderer, noch so kluger Mensch kann diese Frage für mich nicht beantworten. Ich muss bei mir selbst suchen. Und versuchen, bei mir selbst eine Antwort zu finden. Das kann klappen, muss es aber nicht. Es kommt darauf an, ob mich die Sinnfrage überhaupt interessiert. Dann kommt es darauf an, was ich als sinnvoll erlebe, und was nicht. Zum Schluss kommt es darauf an, ob ich das, was ich für sinnvoll erachte, beachten kann und will. Das ist sicher keine Frage des täglichen Tuns. Wir erledigen durchaus oft Dinge, bei denen uns die Frage nach dem Sinn gar nicht einfällt. Er wird halt nur so erledigt. Entscheidend ist sicher eine Bilanz. Kann und will ich mein Leben so gestalten, dass die Dinge, die für mich sinnvoll sind, überwiegen und auch von mir angemessen beachtet werden. Dann werde ich sicher zu dem Schluss kommen können, mein Leben hat Sinn.