Die neue Redlichkeit

RedlichkeitUnserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft mangelt es an verbindlichen Werten. Das schadet uns allen. Dieses Buch liefert eine schonungslose Analyse der Situation und macht Vorschläge für ein neues ethisches Fundament.

Prof. Dr. Rupert Lay

Der Bestsellerautor Professor Dr. Rupert Lay ist in deutschen Wirtschaftskreisen die oberste ethische Instanz.
Der Jesuit ist ein Querdenker mit großem Einfluss.

Er ist der Ehrenpräsident des Ethikverband der Deutschen Wirtschaft.

Ulf D. Posé ist Unternehmens- und Personalentwickler und Präsident des selben Verbandes.

Das Buch ist unter folgendem Link beim Campus Verlag zu bestellen.

 


Rezensionen

Begleitender Artikel

Die neue RedlichkeitUnredlichkeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wird gesellschaftsfähig. Unethisches Verhalten scheint nicht nur nicht länger Grund für ein schlechtes Gewissen zu sein, nein, schlimmer noch: ein Maßstab, was redlich und was unredlich ist, ist uns verloren gegangen. Erste Anzeichen einer Trendwende sind jedoch in Sicht: Es gibt erste Anzeichen einer neuen Redlichkeit.

Spätestens seit der Spruch: »Jeder denkt nur an sich, damit ist ja an alle gedacht« seine erfolgreiche Runde macht, ist es in unserer Kultur mit der Redlichkeit vorbei. Erziehung fi ndet oft nicht mehr in Familien, eher vor dem Fernseher statt. Die Delegation an die Kindergärten oder an die Lehrer in Schulen funktioniert nicht, da hier Erziehung eher verweigert wird. So bleiben die Unternehmen als Kaderschmieden übrig. Und was lernen wir da? Sei opportunistisch, wenn du Karriere machen willst, schau auf den berühmten Shareholder Value. Kapitalmehrung scheint das einzig Wichtige zu sein. Die Globalisierung fordert von uns, nur noch zu schauen, wo die besten Produktionsbedingungen herrschen, wo die besten rahmenpolitischen Voraussetzungen sind und wo wir über die Umwelt besonders billig verfügen können. Die Geburtenrate ist in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik geringer als 1946. Kinder sind zum teuren Kostenfaktor geworden.
Was ist los? Wir reden von gesellschaftlicher, unternehmerischer Verantwortung und es ist keiner da, der bereit ist, sie persönlich wahrzunehmen. Wir wundern uns, dass es möglich ist, mit einem Vollzeitjob weniger zu verdienen, als jemand, der nicht arbeitet.
Eine neue Unredlichkeit macht sich breit. Früher wussten Menschen noch, dass sie unredlich waren, wenn sie sich unredlich benahmen, sie hatten zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute erleben wir eine neue Form der Unredlichkeit, in der Menschen sich völlig daneben benehmen mit dem Gefühl, redlich zu sein.

Was ist passiert?

Das Wesen der neuen Unredlichkeit ist es also, unredlich zu sein, ohne es zu bemerken. Dagegen sollten wir, müssen wir etwas tun. Wir müssen wieder Bewusstsein entwickeln für das, was unredlich ist und wir benötigen ein Bewusstsein dafür, was zukünftig redlich ist.

Was ist passiert? Spätestens seit 1903 George Edward Moore seinen Emotivismus in der Ethik entwickelte, haben wir eine Ethik der Neigungen. Es ist seitdem ethisch gut, wenn wir uns bei dem, was wir tun, gut fühlen. Dieser emotionale Brei trägt einen Großteil der Verantwortung für die neue Unredlichkeit. Der zweite Aspekt ist der Hang zu einer Gesinnungsethik. Wenn meine Gesinnung eine redliche ist, dann fragen sich viele Menschen nicht mehr, ob sie diese Gesinnung auch an eine entsprechende Handlungskompetenz koppeln. So kommt es zu einer unsäglichen Paarung von gutem Gewissen und Inkompetenz. Ich richte den größten Mist an und fühle mich auch noch gut dabei. Dann haben wir drittens eine das Gewissen beruhigende Betroffenheitskultur entwickelt. Bei Lichterketten mitzumachen erscheint uns sinnvoller, als etwas konkret zu unternehmen. Manche Menschen rührt das Elend in Afrika mehr, als das Elend nebenan. So leiden wir unter Fernstenliebe; die Nächstenliebe ist auf der Strecke geblieben.

Macht doch jeder so!

Das scheinen mir die grundsätzlichen, generellen Merkmale der neuen Unredlichkeit zu sein. Daneben haben wir europäische Formen des Cargokults entwickelt. Cargo war ein Kult aus Melanesien. Dort landeten Militärfl ugzeuge der Amerikaner. Sie enthielten alle wunderbaren Güter dieser Welt und schienen Geschenke des Himmels, der Ahnen zu sein. Auf den Flugzeugen stand »Cargo« (Fracht). Die Melanesier glaubten nun, wenn sie solch ein Flugzeug anbeteten oder die Rituale der Amerikaner nachahmten, würden ihre Ahnen auch ihnen solche Flugzeuge mit diesen Gütern schicken. So bastelten sie kleine Flugzeuge aus Holz, schrieben Cargo auf den Rumpf, stellten sie in ihre Tempel und beteten sie an.
So benehmen wir uns heute auch. Wenn Unredlichkeit mein Cargo mehrt und ich von niemandem bestraft werde, dann bin ich halt unredlich. Was soll’s, macht doch jeder so! So bestimmen heute Cargo-Kulte unsere Welt. Der Strom kommt aus der Steckdose, der neue Markt hat eine Zeitlang auf tolle Art und Weise unser Vermögen vermehrt, Geld benötige ich sowieso nicht, ich habe doch eine Kreditkarte. Typisches Cargo ist das Nachäffen. Ich trage die Frisur von David Beckham und fühle wie er, ich trage die gleiche Uhr wie mein Chef, dann bin auch ich bald so erfolgreich wie er, wir werden abhängig von unserer Wohnungsausstattung, damit sie unser Prestige mehren hilft, unser Abendessen schmeckt uns nur noch, wenn wir es bei „unserem“ Italiener einnehmen, wer die Statussymbole nicht trägt, gehört nicht dazu. Das ist Cargo.
Was sind denn die Kennzeichen der neuen Unredlichkeit?

  1. Ich verwechsle Wahrheit mit Gewissheit. Ich halte meine Meinungen für wahr. Ich habe immer Recht. Motto: was stört mich Wissen, wenn ich doch schon eine Meinung habe.
  2. Wir reduzieren Menschen auf ihre Funktionalität. Die Frage: »Was bringt der mir?« zählt mehr als personale Eigenschaften, die die Nähe zu einem Menschen bestimmen sollten.
  3. Es gelten nur noch die Werte Reichtum, Erfolg, Leistung und Macht. Wir übersehen immer mehr, dass das ökonomische Motiv nur eines im Motivbündel von Menschen ist, wir übersehen immer mehr Werte wie Vertrauen, Dankbarkeit, Wohlwollen, Verzeihen-können.
  4. Wir handeln ausschließlich politisch korrekt. Wir fragen nicht mehr danach, ob eine Handlung tatsächlich sinnvoll ist, wir fragen nur noch, ob sie politisch korrekt ist. So kommt es fast schon zu semantischen Verbrechen, wenn wir politisch korrekte Begriffe verwenden, ohne uns zu fragen, ob sich denn mit einem neuen Wort auch eine innere Haltung verändern müsste.
  5. Der Werteverfall. Wir lassen uns fast ausschließlich nur noch von Werten leiten, die soziale Bestrafung verhindern. »Bloß nicht erwischen lassen «, ist das Motto.
  6. Wir tun nicht mehr das, was wir sagen. Glaubwürdigkeit entsteht durch das, was wir tun, nicht durch das, was wir sagen. So geht der Vorbildcharakter verloren.

Erste Anzeichen einer neuen Redlichkeit

Sollte uns die wichtigste unserer Ressourcen, unsere Lebenskultur, wichtig sein, dann ist eine neue Redlichkeit gefordert. Jeder von uns könnte eine Erneuerungsquelle unserer Gesellschaft sein, wenn jeder von uns sich dazu entschließt, eine neue Redlichkeit in den Mittelpunkt seines Handelns zu stellen.
Es gibt erste Anzeichen einer neuen Redlichkeit. Solche Anzeichen sind derzeit die kollektive Ablehnung von Kriegen, der immer bewusster werdende Umgang mit der Umwelt und der Versuch, eine neue soziale Gerechtigkeit zu fi nden und zu formulieren.
Redlichkeit ist für mich der Anspruch eines Menschen, sich unabhängig von sozialen Systemen und deren Vorgaben sozial verträglich zu verhalten. Das muss die Messlatte sein. Damit dies gelingt, bedarf es der Erfüllung einiger Bedingungen, die eine neue Redlichkeit ausmachen werden.

Solche Bedingungen sind für mich:

  1. Ich unterscheide zwischen Wahrheit und Gewissheit; und ich weiß, dass meine Erkenntnisse nicht wahr, sondern nur gewiss sind. Das führt zu einem erheblich sozial verträglicheren Umgang als Dogmatik.
  2. Ich kümmere mich um Wissenskompetenz. Wenn ich ein Wort benutze, dann habe ich nicht nur ein Gefühl, sondern ich weiß, was der Begriff bedeutet.
  3. Ich glaube nicht nur einer Quelle. Ich beziehe meine Informationen nicht nur von Menschen, die meine Meinung teilen.
  4. Ich handle. Das meint, ich habe vor der Handlung über die Folgen nachgedacht, ich kenne eine Alternative zu dem, was ich tun will, ich habe ein Ziel, ich bin bereit, meine Handlungen zu begründen, ich habe ein konkretes Ergebnis und ich übernehme Verantwortung für die überschaubaren Konsequenzen meines Tuns, ich stehe für das, was ich tue gerade.
  5. Ich bin aufrecht, ich sage, was ich meine. 6. Ich bin verlässlich, andere können mir vertrauen.
  6. Ich pflege Zivilcourage. Ich bin dazu bereit, meine Werte auch gegen eine vorherrschende Meinung zu vertreten.
  7. Ich pflege die Epikie, ich versuche immer nach dem Sinn, nicht nur nach dem Buchstabenlaut einer Verordnung zu handeln.
  8. Ich pflege die kritische Gerechtigkeit, verfüge also über die Fähigkeit, Selbstverständliches noch in Frage stellen zu können.
  9. Ich urteile realitätsnah. Ich bewahre mir den Blick für das Wesentliche.

Das scheinen mir gute Grundlagen für das Entstehen einer neuen Redlichkeit zu sein. So stellt sich, wenn wir Unredlichkeit nicht wollen, die Frage nach einer neuen Redlichkeit. Wenn wir ein Interesse an Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Glaubwürdigkeit und einer sozial verantwortlichen Gesellschaft haben, dann können wir nicht mehr andere auffordern, dann werden wir wohl selbst Vorbild sein müssen. Es kann sein, dass wir damit scheitern, aber wir sollten doch wenigstens für eine gute Sache gekämpft haben. Genau dort sind wir persönlich gefordert, denn wenn wir auf andere warten, warten wir vielleicht auf Godot, und der kam bekanntlich nie.

perspektive: blau

Suche nach verlorenen WertenUnredlichkeit macht sich neuerdings breit. Das postulieren Rupert Lay und Ulf D. Posé in ihrem neuen Buch, mit dem sie die fatalen Folgen der neuen Unredlichkeit für Wirtschaft und Gesellschaft sowie Wege zu einer lebenswerteren Welt für viele und eben nicht nur ganz wenige aufzeigen. Die neue Redlichkeit – so der Titel des Buches – gilt es demnach in einer Zeit verloren gegangener Werte einem unethischen Handeln, das zunehmend unbewusst stattfindet, entgegen zu setzen.

Es ist nicht etwa so, dass es sich bei Unredlichkeit um ein völlig neues Phänomen handelt. Was ist neu daran? Der Unterschied liegt heute darin, dass der Einzelne, der sich unredlich verhält, dies nicht bemerkt. Die neue Unredlichkeit macht kein schlechtes Gewissen und wird weithin akzeptiert. »Je mehr wir uns nur noch um uns selbst kümmern, desto weniger kümmern wir uns um andere Menschen und diese sich um uns.« Das Lebensmotto der heutigen Zeit heißt: sich durchsetzen, Recht behalten, klarkommen auf Kosten anderer, den eigenen Vorteil so intensiv wie möglich wahren.

Mehr und mehr Menschen jedoch haben ein unbestimmtes Gefühl, dass der um sich greifende Werteverlust nicht eben zur Verbesserung unseres Lebens beiträgt. Worin aber genau bestehen die Nachteile einer wertelosen Welt? Und welche Alternativen gibt es? Welche neuen Werte könnten konsens- und zukunftsfähig sein? Um diese Fragen dreht sich das Buch von Ehrenpräsident (Lay) und Präsident (Posé) des Ethikverbandes der deutschen Wirtschaft e.V.

Im ersten Teil des Buches unternehmen die Autoren einen Streifzug durch die Geschichte von Redlichkeit und Unredlichkeit vom Altertum bis zur Neuzeit, sie klären die Begriffe und erläutern, wie Redlichkeit und Unredlichkeit in verschiedenen Epochen definiert und bewertet wurden.
Im zweiten Teil gehen sie anhand konkreter Ausdrucksformen der neuen Unredlichkeit, wie Mobbing, kulturelle Ausbeutung oder politische Machtbesessenheit, den gegenwärtigen Ausprägungen unredlichen Verhaltens nach. Der dritte Teil eröffnet Perspektiven für eine neue Redlichkeit, um Eigenverantwortung zu stärken, Selbständigkeit zu fördern und Werte durch verbindliche ethische Grundprinzipien zu schaffen.

Ihren Streifzug durch Redlichkeit und Unredlichkeit machen die Autoren keineswegs mit erhobenem Zeigefinger. Auch geben sich Rupert Lay und Ulf D. Posé keinen falschen Illusionen hin; so halten sie absolute Redlichkeit für ebenso unmenschlich wie absolute Gerechtigkeit oder Wahrhaftigkeit. Redlichkeit als auch Unredlichkeit können statthaft sein, folgt man der Maxime: »Handle und entscheide stets so, dass durch dein Handeln und Entscheiden das personale Leben in dir und in der Person eines jeden anderen eher gemehrt, denn gemindert wird.« Es komme vor allem darauf an, seine Unredlichkeit zu erkennen und zu beherrschen. Anders gesagt: Es geht nicht darum, die Notlüge zu verurteilen, jedoch möchte das Buch kollektive Formen der Unredlichkeit anprangern und deren negative Folgen aufzeigen.

Dass die neue Redlichkeit echte Chancen hat, dafür nennen Lay und Posé eine Vielzahl von Beispielen. Der Rückgang der Schattenwirtschaft, das Aufkommen von Verhaltenskodices in Unternehmen, die Sehnsucht nach redlichen Führern in Politik und Wirtschaft: all das macht Hoffnung auf eine Zukunft, in der Redlichkeit die Oberhand gewinnt.

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Kurzbeschreibung
Das neue Buch von Rupert Lay

Unserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft mangelt es an verbindlichen Werten. Das schadet uns allen. Dieses Buch liefert eine schonungslose Analyse der Situation und macht Vorschläge für ein neues ethisches Fundament.

Rupert Lay und Ulf D. Posé zeigen, was im Kern unserer ethischen Krise steckt: die Unredlichkeit, ein unethisches Handeln, das zunehmend unbewusst stattfindet. Lay und Posé unternehmen einen Streifzug durch die Geschichte von Redlichkeit und Unredlichkeit. Sie analysieren die neue Unredlichkeit an Beispielen wie Mobbing, kulturelle Ausbeutung, politische Machtbesessenheit und eröffnen mit konkreten Vorschlägen die Perspektive einer neuen Redlichkeit.

Über den Autor

Der Bestsellerautor Professor Dr. Rupert Lay ist in deutschen Wirtschaftskreisen die oberste ethische Instanz. Der Jesuit ist ein Querdenker mit großem Einfluss. Ulf D. Posé ist Unternehmens- und Personalberater und Präsident des Ethikverbandes der deutschen Wirtschaft.

Auszug aus Die neue Redlichkeit Werte für unsere Zukunft von Rupert Lay, Ulf D. Posé. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Vorwort

Dies ist ein Buch über eine neue Form der Unredlichkeit, über ihre fatalen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft – und unsere Chance, ihr mit einer neuen Redlichkeit zu entkommen.
Wir leben in einer Zeit verloren gegangener Werte. Eine vage Sehnsucht nach Werten drückte sich in der öffentlichen Anteilnahme am Tod des alten und der Wahl des neuen Papstes aus. Dass das Leben in einer Welt ohne Werte nicht das beste Leben ist, spüren wohl viele. Aber worin genau bestehen die Nachteile? Und was könnte eine Alternative sein? Welche neuen Werte wären konsensfähig, wären zukunftsfähig? Mit diesen Fragen beschäftigt sich unser Buch, und es möchte zugleich einige Antworten liefern.
Was kennzeichnet die neue Unredlichkeit? In früheren Zeiten wusste der Einzelne noch, wann er sich danebenbenahm; er hatte zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute ist es so, dass der Einzelne sich unredlich verhält, jedoch überhaupt nicht mehr merkt, dass er unredlich ist. Wenn es sowieso keiner mehr merkt, warum sollte über die neue Redlichkeit und gegen die neue Unredlichkeit ein Buch geschrieben werden? Weil die Folgen der neuen Unredlichkeit so tragisch und schrecklich sind und es doch möglich ist, der neuen Unredlichkeit durch eine neue Redlichkeit erfolgreich zu begegnen und so eine noch lebenswertere Welt für viele und eben nicht nur für ganz wenige zu schaffen.

Eines vorweg: Absolute Redlichkeit ist sicher ähnlich unmenschlich wie absolute Gerechtigkeit oder absolute Wahrhaftigkeit. Es geht in diesem Buch überwiegend um kollektive Formen von Unredlichkeit, nicht um individuelle Formen. Wohl wissend, dass ein Stück Unredlichkeit sicher in jedem Menschen steckt. Für uns ist das oberste sittliche Kriterium die Biophilie: Handle und entscheide stets so, dass durch dein Handeln und Entscheiden das personale Leben in dir und in der Person eines jeden anderen eher gemehrt, denn gemindert wird. Nach diesem Kriterium kann Redlichkeit, aber auch Unredlichkeit ihren Platz haben. Es kommt nur darauf an, dass ich meine Unredlichkeit erkenne und beherrsche und dass ich sie durch eine neue Redlichkeit biophil ersetze. Es gibt Momente im Leben, in denen es angemessen oder notwendig ist, zum Beispiel die Unwahrheit zu sagen. Wenn es nicht anders möglich ist, eigenes oder fremdes Geheimnis zu schützen, kann die Lüge notwendig sein. So gibt es sicher!
auch eine Unredlichkeit, die sittlich vertretbar ist. Eine biophile Unredlichkeit sollte genauso erlaubt sein wie eine biophile Ungerechtigkeit oder eine biophile Unwahrheit. In unserem westlichen Denkraum inklusive Amerika ist Redlichkeit eine Kategorie der Moral. Nietzsche hat diesen Begriff verwendet, um die damals vorherrschende Moral zu kritisieren. Da jedoch die moralischen Werte keine entscheidende Rolle mehr spielen, ist die Redlichkeit heute nur noch dazu da, sich sozialverträglich zu verhalten, um nicht sozial bestraft zu werden. Das war zwar auch schon bei der alten Redlichkeit so, jedoch war hier die Redlichkeit theologisch dominiert. Der Mensch hatte sich redlich zu verhalten, weil “der liebe Gott das so will”. Die Theologen sind leider bis heute nicht auf die Idee gekommen, dass jedes soziale System seine eigene Moral und damit seine eigene Redlichkeit hervorbringt. Menschen benehmen sich heute daneben und finden es auch noch gut. Menschen beuten andere Menschen aus, sozial, emotional, ökonomisch – und darauf sind einzelne Mitmenschen auch noch stolz. Sie brüsten sich damit, dass es ihnen so gut gelungen ist, andere Menschen über den Tisch zu ziehen, sie zu übervorteilen. Die Folge ist, dass wir immer misstrauischer werden. Unsere Fähigkeit, anderen Menschen Vertrauen zu schenken, nimmt rapide ab. Eine weitere Folge ist die Vereinsamung von Menschen. Je mehr wir uns nur noch um uns selbst kümmern, desto weniger kümmern wir uns um andere Menschen und diese sich um uns. Wie heißt das Sprichwort? “Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich.” Das tue ich am besten in einer “Ich-AG”. So oder ähnlich könnte das Lebensmotto der heutigen Zeit heißen. Sich durchsetzen, Recht behalten, klarkommen auf Kosten anderer. Sich bereichern, andere abzocken, den eigenen Vorteil so intensiv wie möglich wahren. Das sind wohl Kennzeichen der heutigen Zeit. “!
Geiz ist geil” kann übersetzt werden mit: “Andere über den Tisch zu ziehen, ist geil”. Erfolg auf Teufel komm raus, ohne auf die Kosten zu achten, die andere dadurch haben. Die neue Unredlichkeit ist ziemlich kostenintensiv, ohne dass wir es bemerken. Am besten erklärt hat das wohl das berühmte Gefangenendilemma aus der Spieltheorie: Zwei Jungs überfallen einen Bauern. Kurz danach werden sie mit einer Pistole in der Hand erwischt. Der Bauer ist so betrunken, dass er bei einer späteren Gegenüberstellung nicht sagen kann, wer von den beiden ihm eine Pistole unter die Nase gehalten hat. Die beiden wandern ins Gefängnis und stehen vor folgendem Problem: Verweigern beide die Aussage, dann kann man ihnen nur unerlaubten Waffenbesitz nachweisen. Die Strafe dafür beträgt je drei Monate Knast. Gesteht einer der beiden und der andere schweigt, dann ist dieser ein Kronzeuge. Er wird freigesprochen, während sein Komplize fünf Jahre Knast bekommt. Gestehen jedoch beide, dann bekommen sie jeweils drei Jahre Gefängnis wegen gemeinschaftlichen Raubüberfalls. Nun stellt sich die Frage nach der Moral und Redlichkeit. Der Überfall als solcher ist ohne Frage unredlich, ein Verbrechen. Um diese Unredlichkeit oder das Verbrechen geht es hier jedoch nicht. Das wäre eine zweite, leicht zu beantwortende Frage. Es geht in diesem Fallbeispiel nur um das Verhältnis der beiden Räuber zueinander. Werden sie gestehen oder schweigen? Wahrscheinlich werden beide versuchen, die Kronzeugenregelung für sich zu beanspruchen. Nur landen sie über diesen Egoismus beide im Knast. Die Redlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Es wäre für beide in der Gesamtbilanz viel “billiger”, wenn sie schweigen würden.–Was soll’s, könnte man sagen, Moral in einer Gesellschaft verändert sich, unterliegt einer Drift. Die heutigen Moralvorstellungen sind eben nicht mehr deckungsgleich mit den Moralvorstellungen unserer Großeltern. Das Problem ist nur: Wir handeln fast schon a-moralisch, und nicht nur widermoralisch. Widermoralisches Handeln setzt voraus, dass der Handelnde eine Moral kennt; amoralisches Handeln dagegen ist dadurch gekennzeichnet, dass der Handelnde über keinen moralischen Maßstab mehr verfügt. Warum das so wichtig ist? Aus der fehlenden Moral entsteht fehlendes Bewusstsein für Unredlichkeit und fehlendes Bewusstsein für Redlichkeit. Und die Kosten für unredliches Verhalten sind gigantisch. Die Vereinsamung, die dadurch entsteht, ist so enorm, der Vertrauensverlust, der dadurch entsteht, ist so enorm, die Gefühlskälte, die dadurch entsteht, ist so enorm, der Verlust an Geborgenheit, der dadurch entsteht, ist so enorm, die Orientierungslosigkeit, die dadurch in einer Gesellschaft, einer Kultur entsteht, ist so enorm, die Entmenschlichung, die dadurch entsteht, ist so enorm, die Zerstörung des sozialverträglichen Miteinanders ist so enorm. Es kann sein, dass nicht wenige all das um des eigenen Vorteils willen billigend in Kauf nehmen. Wir wollen das nicht. Dieses Buch will sich gegen all das stemmen. Zum einen, indem einmal die Entwicklung der Redlichkeit beginnend mit dem Altertum bis hin zur Neuzeit skizziert wird, um dem Leser das Verstehen zu erleichtern. Dann werden in diesem Buch die Entstehung der neuen Unredlichkeit, ihre Ursachen und Auswüchse untersucht. Zum Beleg stellen wir Beispiele aus allen Bereichen des Lebens dar. Damit wollen wir zeigen, wie sehr die neue Unredlichkeit in den verschiedensten Lebensbereichen schon um sich gegriffen hat. Und zum Dritten wollen wir Möglichkeiten zeigen, wie wir der neuen Unredlichkeit begegnen können, wie eine zukünftige neue Redlichkeit sich darstellen kann. Darin liegen für uns die Hoffnung und das Vertrauen in eine lebenswerte Zukunft.

Wir wissen nicht, was die Zukunft uns bringen wird, insofern können wir die neue Redlichkeit nicht exakt beschreiben. Aber wir können sagen, was wir uns wünschen, was wir für sinnvoll halten und welche Chancen in einer neuen Redlichkeit liegen. Wir sind davon überzeugt, dass eine neue Redlichkeit gute Chancen hat, unsere Zukunft weitaus lebenswerter zu gestalten, als dies ohne eine neue Redlichkeit möglich wäre.

Prof. Dr. Rupert Lay
Ulf D. Posé

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Vollwert-ManagementDie neue Redlichkeit. Werte für unsere Zukunft –
das neue Buch von Rupert Lay und Ulf D. Posé.Von Peter FelixbergerIn der deutschen Wirtschaft ist Rupert Lay die oberste ethische Instanz. Viele Jahre waren seine Bücher Bestseller. Jetzt, im hohen Alter, hat der Jesuit zusammen mit seinem Alter ego Ulf D. Posé noch einmal ein tiefgründiges, analytisches Buch vorgelegt. Die Autoren reißen den unredlichen Zeitgenossen dabei die Maske vom Gesicht und benennen gleichzeitig die Grundregeln und Tugenden, die in Wirtschaft und Politik Einzug halten müssen, wenn wir nicht weiter im Sumpf der Unredlichkeit versinken wollen.

Eine der Grunderkenntnisse dieses Buches lautet: Der redliche Mensch unterscheidet sich vom Unredlichen dadurch, dass er sagen kann, worüber er spricht. Damit sind wir beim Thema: Viele Menschen sind unredlich. Sie können nicht sagen, worüber sie sprechen. Zu finden sind sie in Wirtschaft und Politik. Ein Beispiel: Politiker A wirft Politiker B vor, der Anstieg der Arbeitslosigkeit fördere den Rechtsradikalismus. Mit der Realität hat diese Aussage nichts zu tun. Egal, der Unredliche konstruiert eine Schein-Wirklichkeit, die von der Wirklichkeit ablenken soll. Warum macht das Politiker A? Nun, mit der Inszenierung eines neuen Konstrukts lenkt er geschickt von der möglichen eigenen Ignoranz oder Unfähigkeit ab, das Problem zu lösen. „Der Fehler, Konstrukte für Realität zu halten, ist sicher eine der Hauptursachen für die neue Unredlichkeit“, schreiben die Autoren. Redliche Menschen versuchen hingegen immer, von der Sache selbst zu sprechen. Sie halten sich an die drei Grundregeln der Redlichkeit aus der Antike.
Regel 1: Verwechsle nie Wahrheit mit Gewissheit. Sagt Sokrates. Gewissheit ist nie objektiv. Wahrheit ist objektiv. Deshalb ist es so wichtig, nicht in die Wahrheitsfalle zu tappen. Was wir aber fortgesetzt tun. Wenn eine Sache offenbar so gewiss ist, dass man nicht mehr daran zweifeln kann, halten die meisten Leute sie für wahr, obwohl sie genau wissen, dass sie bei genauerem Hinsehen nicht wahr sein kann. Der Fehler ist, sie halten Zweifelsfreiheit für Irrtumsfreiheit.
Die Autoren glauben deswegen: „Man sollte nie auf die Idee kommen, seine Gewissheiten für wahr zu halten. Wer nicht zwischen Wahrheit und Gewissheit zu unterscheiden vermag, ist nach Sokrates entweder dumm, intolerant oder wahnsinnig. Und genau das weiß der redliche Mensch. Seine Erkenntnisse sind nicht wahr, sie sind gewiss. Er mag zwar an seinen Ansichten nicht zweifeln, ist sich jedoch immer bewusst, dass er sich trotz aller Zweifelsfreiheit auch irren kann.“
Regel 2: Der redliche Mensch kann sagen, worüber er spricht. Sagt Aristoteles. Das bedeutet, der redliche Mensch redet nicht nur von den Gefühlen, die er hat, wenn er an eine Sache denkt, sondern er redet von der Sache selbst. Er kann das Wesen der Sache angeben. Der redliche Mensch kann sagen, was Gerechtigkeit ist, er hat nicht nur eine Empfindung von Gerechtigkeit, er kann sagen, was unternehmerische Freiheit ist, er hat nicht nur eine Meinung dazu, er kann sagen, was Freiheit ist, er fühlt sie nicht nur.
Regel 3: Niemand lügt ohne Grund. Sagt wiederum Aristoteles. Nicht wenige Menschen neigen dazu, einen Sachverhalt im Sinne des eigenen Sachverhalts zu interpretieren. Doch merke: Nur dann, wenn ich dieselbe Information über zwei Quellen mit unterschiedlichen Interessenslagen bekommen habe, darf ich redlich annehmen, dass der Sachverhalt auch so ist, wie er berichtet wurde. Stehen in der FAZ und in der taz die gleichen Informationen über die Bundeskanzlerin, dann kann ich sie glauben, sonst nicht. Denn jede Erkenntnis ist interessengeleitet oder tendenziös. „Man sollte genau so wenig dem Kommentar eines Autoverkäufers glauben, der einem bei der Farbwahl des nächsten Wagens für seinen guten Geschmack beglückwünscht. Das entspricht nur seinem Interesse.“
Dieses Buch hat einen großen Vorteil: Es ist hinreißend analytisch. Es seziert messerscharf die Logik von unredlichen Handlungs- und Kommunikationsmustern und entlarvt die Unredlichkeit des Denkens und Tuns (auch die der Gutmenschen). Vom Verlauf ist es vergleichbar mit Bauklötzchen spielen. Erst wird alles eingerissen und begutachtet. Dann wird es wieder aufgebaut. Am Ende steht ein neues Gedankengebäude. Ein gutes Beispiel für diese Dekonstruktion und Erneuerung sind die individuellen Tugenden als Basis für eine neue Redlichkeit. Auf acht Eckpfeilern fußt das neue Gebäude. Aufrichtigkeit: Ich sage, was ich meine. Verlässlichkeit: Ich erhöhe das Vertrauen. Tapferkeit: Nie ein sinnvolles Ziel aus den Augen verlieren. Zivilcourage: Eigene Werte auch gegen eine vorherrschende Meinung vertreten. Epikie (Billigung, Nachsicht): Nicht buchstabengetreu, sondern nach dem Sinn einer Verordnung handeln. Kritische Gerechtigkeit: Selbstverständlichkeiten in Frage stellen. Besonnenheit: Nicht impulsiv sein. Realitätsnah urteilen: Den Blick für das Wesentliche schärfen.
Wer das liest, weiß, was in Sachen Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung in deutschen Landen noch alles zu leisten ist. Deshalb erwirdert Posé völlig zu Recht: „Unternehmen sollten sich deshalb fragen, unter welchen Bedingungen Redlichkeit installiert werden kann. Die Voraussetzungen könnten dreierlei sein: Im Unternehmen entstehen erstens Freiheitsräume, in denen systemische Zwänge nicht wirksam werden. Gegenseitige Schnüffelei und Agententum sind zweitens verpönt. Die Führungskräfteauswahl geschieht drittens nach Fähigkeiten, welche die Bedingungen eins und zwei sicher stellen (nicht behindern).“

Es bleibt viel zu tun, lesen wir zunächst einfach dieses Buch!

Mallorca Magazin

„Ethik lohnt sich“

In deutschen Wirtschaftskreisen ist er die oberste ethische Instanz: Professor Dr. Rupert Lay. Jetzt kam der bekannte Querdenker nach Mallorca, um hier ein Seminar zu leiten. Dabei stellte er auch sein aktuelles Buch vor; „Die neue Redlichkeit“

Der Stern hat ihn einmal den „Moralapostel der Bundesrepublik“ genannt, mit „Querdenker“ kommt man ihm auch schon näher, aber am liebsten ist ihm das Wort „Ketzer“. Das kommt nämlich von „Katharer“, die Reinen, griechisch: katharos. Und aus diesem Begriff , so Professor Rupert Lay, wurde später die abwertende Bedeutung „Ketzer“ für alle Abweichler von einem herrschenden Glauben abgeleitet. Gerade hat der „Abweichler“ zusammen mit dem Präsidenten des Ethik-Verbandes der Deutschen Wirtschaft, Ulf D. Posé, sein neuestes Buch „Die neue Redlichkeit“ (Campus Verlag) veröffentlicht. Darin prangern die Autoren den Mangel an verbindlichen Werten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an und unternehmen einen Streifzug durch die Geschichte von Redlichkeit und Unredlichkeit. Das Buch ist nur eine von vielen Aktivitäten des „Universalgelehrten“ wie ihn sein Freund Will Kauffmann nennt. Zur Zeit leitet Rupert Lay, wie schon in den letzten vier Jahren, ein Manager-Seminar auf Son Bauló – und Co-Autor Posé ist auch dabei.
Eine gewisse Distanz zum sonstigen Wirkungskreis sei für die Seminarteilnehmer einfach nötig, um auch mental nicht in ihrer alten Welt gefangen zu bleiben, so Professor Lay. Und Mallorca sei als Tagungsort einfach optimal: „Zum einen ist es extrem schnell zu erreichen, zum zweiten stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis“. Auch mit seinem aktuellen Seminar verfolgt er als zentrales Ziel, „dass die neue Redlichkeit als Selbstverständlichkeit realisiert wird“. Als Unredlichkeit bezeichnet er unter anderem die massive persönliche Bereicherung, wie sie sich in Politik und Industrie – oftmals scheinbar unbewusst – offenbart: “Wenn riesige Summen von Vorständen angeeignet werden, läuft das zumeist unter „rechtlich einwandfrei“. Ethisch wird es nicht hinterfragt, sittlich ist es nicht zu vertreten“. Andere Formen der „neuen Unredlichkeit“ seien Mobbing, kulturelle Ausbeutung und politische Machtbesessenheit.
Mit ihrem Buch, für das Ulf D. Posé auch „an die Tausend Internet-Seiten herangezogen hat“, wollen die Autoren diese desolate Situation anhand von Beispielen aufzeigen und mit konkreten Vorschlägen Perspektiven einer „neuen Redlichkeit“ eröffnen. Unternehmen könnten sich nicht länger ausschließlich von ökonomischen Motiven leiten lassen, sagt Rupert Lay: „Die ökonomische und soziale Verantwortung müssen miteinander verknüpft werden“. Im Gegensatz zur „alten Redlichkeit“ („Üb´ immer Treu´ und Redlichkeit), die sich kapital und hierarchieorientiert – auf Streben nach Lob und Vermeidung von Schuldgefühlen gründete („Das sagt nicht viel über wirkliche Einsicht“), entstehe die „neue Redlichkeit“ aus einer persönlichen „Selbstverpflichtung“. „Die Selbstverständlichkeit alter Werte muss in Unselbstverständlichkeit gebracht werden“, erläutert Professor Lay. „Es geht um eine Dynamisierung oder Persönlichkeit. Ohne eine Veränderung der Führungskräfte in ihren Wertvorstellungen ist nichts zu machen“.
Wobei er zwischen (alten) Führungskräften und (neuen) Führungspersönlichkeiten unterscheidet: Von ersteren, so Rupert Lay, gäbe es Hunderttausende zuviel, von letzteren einige Dutzend zuwenig: „Eine Führungspersönlichkeit zeichnet sich vor allem durch drei Eigenschaften aus: 1: Sachkenntnis, 2. ökonomisches Denken und 3. die Fähigkeit, sich ein Vertrauensfeld aufzubauen“. Die letztere kennzeichne die ethische Fähigkeit, und sie sei es auch, die die individuelle Verantwortung der Mitarbeiter fördere, die sich nicht durch ein hierarchisches Gehorsamsprinzip erreichen lasse. „Die Relevanz dieser Fähigkeit wird auch in Unternehmen immer mehr anerkannt“, so Ulf D. Posé. „Das sieht man zum einen an der Zahl von Managern, die sich wegen Unfähigkeit zurückziehen. Zum anderen machen immer mehr Unternehmen die Erfahrung, dass Entscheidungen von Vorständen – trotz Sachkenntnis, trotz wirtschaftlichen Denkens – keinen ökonomischen Erfolg haben“. Umgekehrt habe sich gezeigt, dass sich die Verknüpfung von wirtschaftlichem Handeln mit einem sozialen Miteinander auch im Erwerbserfolg niederschlage: „Ethik lohnt sich“.
Bleibt die Frage, wie der Jesuitenpater, studierte Philosoph, Psychoanalytiker und Betriebswirtschaftler Lay so schnell von den Geisteswissenschaften zur Wirtschaft kam. „Ich habe mich gefragt, um welche Gruppe von Menschen sich die Kirche nicht kümmert: Manager und Politiker“. Früher habe er auch einmal Seminare für Politiker gegeben, so der Professor, aber dabei kam nicht viel heraus“. Denn: „Die geistige Dynamik neu zu denken, tendiert hier leider gegen Null“.

Quick-Time.ch

Die neue RedlichkeitWir werden wohl selbst Vorbild sein müssen…
Unredlichkeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wird gesellschaftsfähig. Unethisches Verhalten scheint nicht nur nicht länger Grund für ein schlechtes Gewissen zu sein, nein, schlimmer noch: ein Massstab, was redlich und was unredlich ist, ist uns verloren gegangen. Erste Anzeichen einer Trendwende sind jedoch in Sicht: Es gibt erste Anzeichen einer neuen Redlichkeit. Spätestens seit der Spruch: «Jeder denkt nur an sich, damit ist ja an alle gedacht» seine erfolgreiche Runde macht, ist es in unserer Kultur mit der Redlichkeit vorbei. Erziehung fi ndet oft nicht mehr in Familien, eher vor dem Fernseher statt. Die Delegation an die Kindergärten oder an die Lehrer in Schulen funktioniert nicht, da hier Erziehung eher verweigert wird. So bleiben die Unternehmen als Kaderschmieden übrig. Und was lernen wir da? Sei opportunistisch, wenn du Karriere machen willst, schau auf den berühmten Shareholder Value.

Kapitalmehrung scheint das einzig Wichtige zu sein. Die Globalisierung fordert von uns, nur noch zu schauen, wo die besten Produktionsbedingungen herrschen, wo die besten rahmenpolitischen Voraussetzungen sind und wo wir über die Umwelt besonders billig verfügen können. Die Geburtenrate ist in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik geringer als 1946. Kinder sind zum teuren Kostenfaktor geworden.

Was ist los? Wir reden von gesellschaftlicher, unternehmerischer Verantwortung, und es ist keiner da, der bereit ist, sie persönlich wahrzunehmen. Wir wundern uns, dass es möglich ist, mit einem Vollzeitjob weniger zu verdienen, als jemand, der nicht arbeitet.

Eine neue Unredlichkeit macht sich breit. Früher wussten Menschen noch, dass sie unredlich waren, wenn sie sich unredlich benahmen, sie hatten zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute erleben wir eine neue Form der Unredlichkeit, in der Menschen sich völlig daneben benehmen mit dem Gefühl, redlich zu sein.

Was ist passiert?

Das Wesen der neuen Unredlichkeit ist es also, unredlich zu sein, ohne es zu bemerken. Dagegen sollten wir, müssen wir etwas tun. Wir müssen wieder Bewusstsein entwickeln für das, was unredlich ist und wir benötigen ein Bewusstsein dafür, was zukünftig redlich ist.

Was ist passiert? Spätestens seit 1903 George Edward Moore seinen Emotivismus in der Ethik entwickelte, haben wir eine Ethik der Neigungen. Es ist seitdem ethisch gut, wenn wir uns bei dem, was wir tun, gut fühlen. Dieser emotionale Brei trägt einen Grossteil der Verantwortung für die neue Unredlichkeit.

Der zweite Aspekt ist der Hang zu einer Gesinnungsethik. Wenn meine Gesinnung eine redliche ist, dann fragen sich viele Menschen nicht mehr, ob sie diese Gesinnung auch an eine entsprechende Handlungskompetenz koppeln. So kommt es zu einer unsäglichen Paarung von gutem Gewissen und Inkompetenz. Ich richte den grössten Mist an und fühle mich auch noch gut dabei.

Dann haben wir drittens eine das Gewissen beruhigende Betroffenheitskultur entwickelt. Bei Lichterketten mitzumachen erscheint uns sinnvoller, als etwas konkret zu unternehmen. Manche Menschen rührt das Elend in Afrika mehr, als das Elend nebenan. So leiden wir unter Fernstenliebe; die Nächstenliebe ist auf der Strecke geblieben.

Macht doch jeder so!

Das scheinen mir die grundsätzlichen, generellen Merkmale der neuen Unredlichkeit zu sein. Daneben haben wir europäische Formen des Cargokults entwickelt. Cargo war ein Kult aus Melanesien. Dort landeten Militärfl ugzeuge der Amerikaner. Sie enthielten alle wunderbaren Güter dieser Welt und schienen Geschenke des Himmels, der Ahnen zu sein. Auf den Flugzeugen stand «Cargo» (Fracht). Die Melanesier glaubten nun, wenn sie solch ein Flugzeug anbeteten oder die Rituale der Amerikaner nachahmten, würden ihre Ahnen auch ihnen solche Flugzeuge mit diesen Gütern schicken. So bastelten sie kleine Flugzeuge aus Holz, schrieben Cargo auf den Rumpf, stellten sie in ihre Tempel und beteten sie an.

So benehmen wir uns heute auch. Wenn Unredlichkeit mein Cargo mehrt und ich von niemandem bestraft werde, dann bin ich halt unredlich. Was soll’s, macht doch jeder so!

So bestimmen heute Cargo-Kulte unsere Welt. Der Strom kommt aus der Steckdose, der neue Markt hat eine Zeitlang auf tolle Art und Weise unser Vermögen vermehrt, Geld benötige ich sowieso nicht, ich habe doch eine Kreditkarte. Typisches Cargo ist das Nachäffen. Ich trage die Frisur von David Beckham und fühle wie er, ich trage die gleiche Uhr wie mein Chef, dann bin auch ich bald so erfolgreich wie er, wir werden abhängig von unserer Wohnungsausstattung, damit sie unser Prestige mehren hilft, unser Abendessen schmeckt uns nur noch, wenn wir es bei «unserem» Italiener einnehmen. Wer die Statussymbole nicht trägt, gehört nicht dazu. Das ist Cargo.

Was sind denn die Kennzeichen der neuen Unredlichkeit?

  1. Ich verwechsle Wahrheit mit Gewissheit. Ich halte meine Meinungen für wahr. Ich habe immer Recht. Motto: was stört mich Wissen, wenn ich doch schon eine Meinung habe.
  2. Wir reduzieren Menschen auf ihre Funktionalität. Die Frage: «Was bringt der mir?» zählt mehr als personale Eigenschaften, die die Nähe zu einem Menschen bestimmen sollten.
  3. Es gelten nur noch die Werte Reichtum, Erfolg, Leistung und Macht. Wir übersehen immer mehr, dass das ökonomische Motiv nur eines im Motivbündel von Menschen ist, wir übersehen immer mehr Werte wie Vertrauen, Dankbarkeit, Wohlwollen, Verzeihen können.
  4. Wir handeln ausschliesslich politisch korrekt. Wir fragen nicht mehr danach, ob eine Handlung tatsächlich sinnvoll ist, wir fragen nur noch, ob sie politisch korrekt ist. So kommt es fast schon zu semantischen Verbrechen, wenn wir politisch korrekte Begriffe verwenden, ohne uns zu fragen, ob sich denn mit einem neuen Wort auch eine innere Haltung verändern müsste.
  5. Der Werteverfall. Wir lassen uns fast ausschliesslich nur noch von Werten leiten, die soziale Bestrafung verhindern. «Bloss nicht erwischen lassen», ist das Motto.
  6. Wir tun nicht mehr das, was wir sagen. Glaubwürdigkeit entsteht durch das, was wir tun, nicht durch das, was wir sagen. So geht der Vorbildcharakter verloren.

Erste Anzeichen einer neuen Redlichkeit

Sollte uns die wichtigste unserer Ressourcen, unsere Lebenskultur, wichtig sein, dann ist eine neue Redlichkeit gefordert. Jeder von uns könnte eine Erneuerungsquelle unserer Gesellschaft sein, wenn jeder von uns sich dazu entschliesst, eine neue Redlichkeit in den Mittelpunkt seines Handelns zu stellen.

Es gibt erste Anzeichen einer neuen Redlichkeit. Solche Anzeichen sind derzeit die kollektive Ablehnung von Kriegen, der immer bewusster werdende Umgang mit der Umwelt und der Versuch, eine neue soziale Gerechtigkeit zu finden und zu formulieren.

Redlichkeit ist für mich der Anspruch eines Menschen, sich unabhängig von sozialen Systemen und deren Vorgaben sozial verträglich zu verhalten. Das muss die Messlatte sein. Damit dies gelingt, bedarf es der Erfüllung einiger Bedingungen, die eine neue Redlichkeit ausmachen werden.

Solche Bedingungen sind für mich:

  1. Ich unterscheide zwischen Wahrheit und Gewissheit; und ich weiss, dass meine Erkenntnisse nicht wahr, sondern nur gewiss sind. Das führt zu einem erheblich sozial verträglicheren Umgang als Dogmatik.
  2. Ich kümmere mich um Wissenskompetenz. Wenn ich ein Wort benutze, dann habe ich nicht nur ein Gefühl, sondern ich weiss, was der Begriff bedeutet.
  3. Ich glaube nicht nur einer Quelle. Ich beziehe meine Informationen nicht nur von Menschen, die meine Meinung teilen.
  4. Ich handle. Das meint, ich habe vor der Handlung über die Folgen nachgedacht, ich kenne eine Alternative zu dem, was ich tun will, ich habe ein Ziel, ich bin bereit, meine Handlungen zu begründen, ich habe ein konkretes Ergebnis und ich übernehme Verantwortung für die überschaubaren Konsequenzen meines Tuns, ich stehe für das, was ich tue gerade.
  5. Ich bin aufrecht, ich sage, was ich meine.
  6. Ich bin verlässlich, andere können mir vertrauen.
  7. Ich pflege Zivilcourage. Ich bin dazu bereit, meine Werte auch gegen eine vorherrschende Meinung zu vertreten.
  8. Ich pflege die Epikie, ich versuche immer nach dem Sinn, nicht nur nach dem Buchstabenlaut einer Verordnung zu handeln.
  9. Ich pflege die kritische Gerechtigkeit, verfüge also über die Fähigkeit, Selbstverständliches noch in Frage stellen zu können.
  10. Ich urteile realitätsnah. Ich bewahre mir den Blick für das Wesentliche.

Das scheinen mir gute Grundlagen für das Entstehen einer neuen Redlichkeit zu sein. So stellt sich, wenn wir Unredlichkeit nicht wollen, die Frage nach einer neuen Redlichkeit. Wenn wir ein Interesse an Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Glaubwürdigkeit und einer sozial verantwortlichen Gesellschaft haben, dann können wir nicht mehr andere auffordern, dann werden wir wohl selbst Vorbild sein müssen. Es kann sein, dass wir damit scheitern, aber wir sollten doch wenigstens für eine gute Sache gekämpft haben. Genau dort sind wir persönlich gefordert, denn wenn wir auf andere warten, warten wir vielleicht auf Godot, und der kam bekanntlich nie.

ChefPosition

Die neue RedlichkeitMit dem Untertitel „Werte für unsere Zukunft“ kommt das neue Buch „Die neue Redlichkeit“ von Rupert Lay – zusammen mit Ulf D. Posé – auf den Markt (Campus-Verlag, 240 Seiten, 24,90 Euro. ISBN 3593379244). Seit Jahren schon ist es für Rupert Lay ein Herzensanliegen, auf die ausufernde Unredlichkeit aufmerksam zu machen, die vor allem das Geschäftsleben und die Politik erfasst hat. Und ihr die neue Redlichkeit gegenüberzustellen. Er bestimmt sie als den „Anspruch eines Menschen, sich unabhängig von den Normen sozialer Systeme sozialverträglich zu verhalten“. Das bedeutet, dass jemand sozial – und damit personalverträgliches Verhalten unabhängig von sozialen Normen beurteilen kann. Eine Führungsaufgabe!

Wie kann eine Führungskraft prinzipiell Redlichkeit praktizieren?

Zunächst ist es wichtig, Wahrheit und Gewissheit voneinander unterscheiden zu können. Das meiste, was Menschen im Leben und Handeln für wahr halten, ist ihnen nur gewiss – so gewiss, dass sie es mit Wahrheit verwechseln (mehr dazu in Chefposition Dezember 2005, S. 5). Durch die Verwechselung werden harte Kämpfe um die einzig richtige Wahrheit ausgetragen, die überflüssig sind und mehr Schaden als Nutzen bringen. Gleichwohl isr das, was einer Führungskraft gewiss ist, persönliche Richtschnur für das eigene (!) Handeln und nicht einfach verhandelbar.

Die Sache genau bestimmen können

Zweitens ist es wichtig, angeben zu können, worüber man wirklich spricht. Vielen Menschen verwechseln ihre Gefühlsäußerungen und Bewertungen mit einer Aussage zur Sache. Eine Führungskraft sollte stets in der Lage sein, nicht nur über eine Sache zu reden, sondern auch anzugeben, worin die Sache im Wesentlichen besteht.

Informationen kontrollieren

Drittens ist es gerade für eine Führung dringend geboten, bei Informationen nie nur einer Quelle zu trauen. Die beste Informationslage besteht, wenn zwei Quellen mit unterschiedlicher Interessenlage das Gleiche berichten oder wenn sogar eine Quelle etwas berichtet, was ihren eigenen Interessen zuwiderläuft.

Bewusst handeln

Zu redlicher Führung gehört ferner bewusstes Handeln. Also nicht nur ein wie immer geartetes Verhalten, sondern ein Handeln. Es ist gekennzeichnet durch Bewusstsein, Entscheidungsqualität (zwischen Alternativen entscheiden), Zielorientierung, Effizienz, und Verantwortung: Was für eine Art Führungskraft jemand ist und wie es um seine Redlichkeit bestellt ist, kann man am besten an der Art erkennen, wie er mit anderen Menschen umgeht. Darin spiegelt sich am deutlichsten sein eigenes Selbstverständnis. Verantwortung braucht Folgen Redlichkeit wäre undenkbar ohne die Übernahme von Verantwortung, die ja bereits Teil bewussten Handeln ist. Verantwortung ist allerdings ein sehr aufgeblasener Begriff, aus dem man unbedingt die Luft herauslassen muss, Viele verantworten vieles und verantworten es doch nicht. Wie kommt das? Die Verantwortungsübernahme bleibt – wenn Dinge schief gehen – ohne wirkliche Auswirkung auf das eigene Handeln. Verantwortung gibt es nur dort, wo die Folgen eines Führungshandelns auf die Führungskraft selbst zurückwirken. Wer von den Folgen freigestellt ist, verantwortet nichts.

Um Verhalten unabhängig von Sozialnormen als sozialverträglich beurteilen zu können, braucht man ein ethisches Prinzip. Fairness etwa als oberstes Prinzip hilft auch, selbst Sozialnormen kritisch zu prüfen.

Quelle: ChefPosition Ausgabe April 2006

Horizont

Doktrin für mehr RedlichkeitZwei Autoren beschwören eine neue Ethik des Handelns

Ein wunderbares Buch, das die beiden Chef-Ethiker Deutschlands – Rupert Lay, Jesuit, Unternehmensberater, Autor einschlägiger Bücher, Ehrenpräsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft – mit „Die neue Redlichkeit – Werte für unsere Zukunft“ geschrieben haben.
Weil nämlich die eine Hälfte unweigerlich auftauchenden Kritiker in Lays/Posés Historie der Unredlichkeit und in ihrer Analyse der modernen Ausformung – von der Globalisierung bis zur oft beklagten Raffgier der Eliten – Beifall zollen wird, während die andere wüten wird – je nach Couleur ihrer Weltsicht.
Eine der zentralen Thesen es Buches ist, dass niemand absolute Wahrheiten hat, sondern lediglich mehr oder weniger selbstgemachte Konstrukte. Die erlauben ihm unbewusst oder sogar stolzen Hauptes, Unredlichkeiten zu begehen. Unredlichkeiten, die etwa in der Globalisierung, in den Ideologien und Dogmen der Politik, dem Mobbing oder dem Shareholder Value stecken. Mit fatalen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft.
Daher, meinen die Autoren, sei es an der Zeit für eine neue Redlichkeit, die sich als der Anspruch eines Menschen definiert, sich unabhängig von den Normen sozialer Systeme, sozialverträglich zu halten. Sie fordern mehr Ethik und weniger Moral. Und nennen fünf Handlungsprinzipien, die da lauten: Bewusstsein, Kontingenz, Intentionalität, Effizienz und Responsibilität.

Die neue Redlichkeit
Bewertung: 4 Punkte von fünf

20. April 2006
Horizont 16/2006

Buchjornal

Orientierung gesuchtNie waren sie so wertvoll wie heute: Werte. Neue Gedanken über das, was im Leben wirklich zählt und welche Richtung wir einschlagen sollten.

Bevor man über Redlichkeit redet, muss man begreifen, wie stark die neue Unredlichkeit ist. Sagt „Ethikguru“ Rupert Lay, Autor von mehr als 40 Büchern, Jesuit, Berater von Konzernchefs und Ministern. Lay schrieb schon 1989 eine erfolgreiche „Ethik für Manager“, zu einem Zeitpunkt, als die Zehn Gebote noch kein Talkshowthema waren. Sein aktuelles Buch „Die neue Redlichkeit“ beginnt denn auch mit einem Ausflug in die Historie. Unredlichkeit gab es schon in der so genannten „guten alten Zeit“. Aber, so Lay und Co-Autor Posé vom Ethikverband der deutschen Wirtschaft, sie kommt heute ohne Schuldbewusstsein daher und ist allgegenwärtig.
Anhand hunderter analysierter Einzelfälle belegt das Buch, wie nachhaltig unser Wertesystem gestört ist: Leere Glücksversprechen in der Politik, die rücksichtslose Verschiebung von Geld zur Profitmaximierung, das Dogma der Jugendlichkeit in Medien und Wirtschaft, tagtägliches Mobbing im Bürozimmer . . . .
Dagegen setzt Lay das Prinzip der „Biophilie“: „Handle stets so, dass du eigenes und fremdes Leben eher mehrst als minderst“. Der wichtigste Ort einer neuen Redlichkeit ist bei ihm der, an dem die Unredlichkeit noch ihre Triumphe feiert: das Unternehmen.

Aus: Buchjornal 1/2006

OÖ–Nachrichten

RedlichkeitUnredlichkeit wird unbewusster und alltäglicher.

Infineon, Volkswagen, Bawag – renommierte Unternehmen kämpfen mit den Folgen interner Korruptionsskandale und Vertuschungsaktionen. Man hat das Gefühl, Affären dieser Art sind schon Alltag. Deshalb kommt ein neues Buch der Deutschen Rupert Lay und Ulf Posé gerade recht: “Die neue Redlichkeit”. Die Autoren sagen, dass die Unredlichkeit zunehmend unbewusst stattfindet. Alarmierend.

Sieht man sich die Reaktionen der jüngsten Skandalverursacher an, dürfte das tatsächlich so sein. Ex-Bawag-General Helmut Elsner, unter dem knapp eine Milliarde Euro verzockt wurde, hat noch kein Angebot zur Wiedergutmachung gelegt, weder Gratis-Lottospielen für alle sozial Bedürftigen noch freie Benutzung seines Penthaus-Swimmingpools über den Dächern Wiens. Der Autokonzern Hyundai hingegen hat nach einem Korruptionsskandal freiwillig Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar als Entschuldigung gespendet.

Süddeutsche Zeitung

Wie Manager aufrichtig werdenManager haben einen schlechten Ruf. Vielerorts gelten sie als skrupellose Spießgesellen, die für die Firma Profite scheffeln und gleichzeitig Arbeitsplätze abbauen. Der aktuelle Fall der Allianz etwa schürt diese Vorurteile: Der Versicherungskonzern will trotz hoher Gewinne 7500 Jobs in Deutschland streichen.
Hinter diesem Vorwurf stecken zwei Fehleinschätzungen. Erstens: Manager seien dem Gemeinwohl verpflichtet. Das ist falsch, sie haben nur den Auftrag, das Ergebnis zu optimieren. Würden sie dagegen verstoßen, müsste ihnen gekündigt werden. Zweitens Arbeitsplätze würden gestrichen, weil sie zu teuer seien. In der Realität ist der Abbau die Folge davon, dass das Unternehmen Kunden und damit Geschäfte verliert. Diese fehlenden Kundenorientierung ist den Managern anzukreiden. Dafür müssten sie entlassen werden, bevor sie andere entlassen.
In diesen Zusammenhängen ist oft der Begriff des unredlichen Managers zu hören – oder gar der unredlichen Ökonomie. Das verwirrt aber ein wenig, denn das Wirtschaftsgeschehen ist durch eine beiderseitige Gewinnbeziehung definiert. Werden die Kundenbedürfnisse befriedigt, dann sprudeln die Gewinne. Genau das ist redlich im Sinne wirtschaftlichen Handelns. Unredlich ist dagegen, wenn man die Kundenorientierung vernachlässigt. Denn diesen Preis bezahlen Mitarbeiter und Kunden direkt. Erstere werden entlassen, letztere konsummüde. Indirekt bezahlt etwas später die Gesellschaft, indem sie die Folgen von Arbeitslosigkeit und Konsumschwäche ausbauen muss.
Rupert Lay und sein Co-Autor Ulf D. Posé haben versucht, das Phänomen der Unredlichkeit auf dieser Ebene näher zu untersuchen. Sie gehen davon aus, dass der tatsächlich Unredliche eine Schein-Wirklichkeit konstruiert, die von der eigentlichen Wirklichkeit ablenken soll. Mit dieser Inszenierung verdecken Manager üblicherweise die eigene Ignoranz oder Unfähigkeit, das Kundenproblem zu lösen. „Der Fehler, Konstrukte für Realität zu halten, ist sicher eine der Hauptursachen für die neue Unredlichkeit“, schreiben die Autoren. Dass trifft auf Politiker wie Manager gleichermaßen zu. Zum Beispiel, wenn Manager mit kurzfristigem Aktionismus zu glänzen versuchen, um ihre langfristige Armut an Visionen zu verschleiern.Das Problem sei folgendes, so die Autoren:“ Früher waren sich die Manager dessen bewusst, dass sie sich danebenbenehmen. Heute nicht mehr.“ Dies wiederum hängt damit zusammen, dass viele Manager keine Werteorientierung mehr haben. Sie handeln egoistisch, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Das Mitarbeiter- und Kundenwohl und damit das gesellschaftliche Wohl verlieren sie aus den Augen. Demgegenüber definieren die Autoren einen individuellen Tugendkatalog, mit dem sie die Abtrünnigen wieder einfangen und ein „tragfähiges, ethisches Fundament“ bilden wollen.
Auf folgenden Eckpfeilern soll redliches Verhalten fußen: „Aufrichtigkeit: Ich sagte, was ich meine. Verlässlichkeit: Ich erhöhe das Vertrauen. Tapferkeit: Nie ein sinnvolles Ziel aus den Augen verlieren. Zivilcourage: Eigene Werte auch gegen eine vorherrschende Meinung vertreten. Epikie (Nachsicht): Nicht buchstabengetreu, sondern nach dem Sinn einer Verordnung handeln. Kritische Gerechtigkeit: Selbstverständlichkeiten in Frage stellen. Besonnenheit: Nicht impulsiv sein, Realitätsnah urteilen: Den Blick für das Wesentliche schärfen.“
Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung sind in Deutschland davon meist weit entfernt. Lay und Posé können diese Lücke aber nur auf philosophischem Wege schließen; manche Passagen wirken überhöht – und realitätsfremd. Bei der Umsetzung sind Manager wieder auf sich gestellt.Peter Felixberger

Ausgabe: Samstag/Sonntag 15/16 Juli 2006

Manager Magazin

Haben, haben, habenETHIK Ein Jesuit prangert das Wertevakuum an und entwickelt Prinzipien einer neuen Redlichkeit.

Erkennungswert: Früher war Ethik eine simple Sache, denn es gab Gut und Böse. Heute tun Menschen Böses – und merken es noch nicht einmal. Das ist die von Rupert Lay ausgemachte „neue Unredlichkeit“, die mit der Aufklärung begann, sich bei den 68ern noch mal kurz mit Proviant versorgte und anschließend mit der Globalisierung noch einmal kräftig durchstartete. Ihr Credo lautet „Haben, haben, haben“ – mehr Macht, mehr Einfluss, mehr Geld, mehr Ansehen. Und weil sich die globalisierte Welt nach Lay als Herrschaft der Ökonomie über die Politik darstellt, ist auch niemand mehr da, der ihrem „außergewöhnlichen Verdrängungswettbewerb“ Einhalt gebieten könnte.
Lay ist erstens Ehrenpräsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft, zweitens Jesuit und drittens mit dem Prädikat „streitbar“ versehen, was sich immer gut macht, wenn man eine Debatte lostreten will. Entsprechend ist seine Anklage nicht neu, wohl aber die Verve, mit der er sie vorträgt. Wirtschaft, Politik, Justiz – keiner bleibt verschont. Und das wohltuend faktenreich, gut belegt und mit einigen originellen Gedanken, wie etwa dem, dass die Globalisierung aus einer „Mesalliance“ zwischen dem missionarischen Christentum und dem auf individuellen Ökonomischen Erfolg ausgerichteten Kapitalismus hervorgegangen ist.
Stil: Lay neigt zum Theoretischen. Besonders der Aufmarsch zahlreicher Geistesgrößen von Platon über Thomas von Aquin bis hin zu Friedrich Nietzsche verstärkt den Vorlesungscharakter, den das Buch über weite Strecken hat.
Nutzwert: Der erste Teil ist eine zwar stark pointierte, aber anregende Abrechnung mit den ethisch – sozialen Folgen der Globalisierung. Danach aber bleibt Lay Gegenentwurf, die titelgebende „neue Redlichkeit“, leider ziemlich vage.

Rupert Lay (Mit Ulf D. Posé)
“Die neue Redlichkeit.
Werte für unsere Zukunft“;
Campus. 253 Seiten,
24,90 €

managerSeminare

Zwischen Ethik und Erfolgsdruck
Wie Manager zut Moral findenBestechungs-, Bilanz- und Lustreisenskandale – das Thema Wirtschaftsethik ist aufgrund der aktuellen Vorfälle virulenter denn je. Monat für Monat erscheint daher ein neues Buch über verantwortungsbewusstes Management, und auf Konferenzen jagt ein Vortrag über Werte den nächsten. Doch dadurch allein wird in den Unternehmen noch nicht moralischer gehandelt. „Was ist Ethik?“, fragt Ulf Posé die Teilnehmer seiner Seminare zuallererst. Dann – so erzählt er – drücken die Führungskräfte ihr Kreuz durch, sitzen ganz aufrecht und bekommen einen leicht verklärten Blick. Sie sagen so etwas wie: „Ethik ist wichtig“ oder „Ethik ist ein ganz ernst zu nehmendes Thema“. „Das ist ja schon mal gut“, sagt Posé dann: „Aber was genau ist Ethik?“Seiner Erfahrung nach wird es dann meist still. Kaum einer kennt die Antwort: Ethik ist eine Wissenschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, welcher Wert nach welchen Kriterien wie behandelt wird. Oder auch ganz einfach und unwissenschaftlich: Ethik ist die Lehre von Gut und Böse, von richtigem und falschem Verhalten.

Ulf Posé ist Berater, Trainer und zudem Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft. Die Szene, die er bei seinen Seminaren in Wirtschaftsunternehmen weit mehr als einmal erlebt hat, zeigt: Auch in Zeiten, in denen Bestechungs-, Bilanz- und Lustreisenskandale das Thema Ethik haben aktuell wie nie werden lassen, sind viele Führungskräfte nicht im Bilde. Sie tun sich nicht nur schwer zu formulieren, um was es geht. „Sie wissen häufig auch nicht, was Ethik für ihren Berufsalltag bedeutet“, erklärt Posé. „Es fehlt an ethischer Kompetenz.“

Vorträge und Bücher allein werden nicht reichen, um das zu ändern. Zu komplex ist das Thema, zu weit reichend sind die Folgen für das tägliche Handeln einer Führungskraft, wenn sie sich konsequent an Werten wie Respekt, Integrität und Transparenz orientieren will, argumentieren Ethikexperten. „Ethisches Handeln ist eng mit Management- und Entscheidungskompetenz verbunden und kann nicht losgelöst davon betrachtet werden“, erklärt Ulf Posé.

Rasche Nachrichten

Literaturempfehlungen für den Praktiker 2/2006Wenn zwei ausgewiesene Experten in Sachen Ethik ein Buch zur neuen Redlichkeit schreiben, darf man gespannt sein. Die Spannung hält von der ersten bis zur letzten Seite, denn die Autoren verstehen es, den scheinbar verloren gegangenen ethischen Werten unserer Gesellschaft die Chancen einer neuen Redlichkeit gegenüber zu stellen. In Kapitel I beschreiben sie die Redlichkeit und Unredlichkeit in ihrer geschichtlichen Entwicklung von der Antike bis zur Neuzeit. Teil ll arbeitet die ethischen Probleme der Globalisierung, der ldeologien, des Mobbings, der Ausbeutung und des Egoismus heraus und fragt danach, wie diese Ursachen der neuen Unrecllichkeit überwunden werden können. In Teil lll schließlich werden die Grundzüge und Bedingungen einer neuen Redlichkeit am Beispiel der Wirtschaft als zukunftsfähiges, ethisches Fundament diskutiert. Ein schwieriges Thema, das die Autoren anschaulich aufbereitet und eingängig Beschrieben haben.

Position Ausgabe 04/06

Die neue RedlichkeitMit dem Untertitel ,,Werte für unsere Zukunft” kommt das neue Buch, „Die neue Redlichkeit“ VON Ruppert Lay zusammen mit Ulf D. Posé auf den Markt. Seit Jahren schon ist es für Ruppert Lay ein Herzanliegen, auf die ausufernde Unredlichkeit Aufmerksam zu machen, die vor allem das Geschäftsleben und die Politik erfasst hat. Und ihr die neue Redlichkeit gegenüber zu stellen. Er bestimmt sie als den ,,Anspruch eines Menschen, sich unabhängig von den Normen sozialer Systeme sozialverträglich zu verhalten”. Das bedeutet, dass jemand sozial –und damit personalverträgliches Verhalten unabhängig von sozialen Normen beurteilen kann. Eine Führungsaufgabe!

Wie kann eine Führungskraft prinzipiell Redlichkeit praktizieren?
Zunächst ist es wichtig, Wahrheit und Gewissheit voneinander unterscheiden zu können Das meiste, was Menschen im Leben und Handeln für wahr halten, ist ihnen nur gewiss – so gewiss, dass sie es mit Wahrheit verwechseln(mehr dazu in Chefposition Dezember 2005,S.5). Durch die Verwechselung werden harte Kämpfe um die einzig richtige Wahrheit ausgetragen, die überflüssig sind und mehr Schaden als Nutzen bringen. Gleich wohl ist das, was einer Führungskraft gewiss ist, persönliche Richtschnur für das eigene (!) Handeln und nicht einfach verhandelbar.

Die Sache genau bestimmen können
Zweitens ist es wichtig, angeben zu können, worüber man wirklich spricht. Viele Menschen verwechseln ihre Gefühlsäußerungen und Bewertungen mit einer Aussage zur Sache. Eine Führungskraft sollte stets in der Lage sein, nicht nur über eine Sache zu reden, sondern auch anzugeben, worin die Sache im Wesentlichen besteht.

Informationen kontrollieren
Drittens ist es gerade für eine Führung dringend geboten, bei Informationen nie nur einer Quelle zu trauen. Die beste Informationslage besteht, wenn zwei Quellen mit unterschiedlicher Interessenlage das Gleiche berichten oder wenn sogar eine Quelle etwas berichtet, was ihren Interessen zuwiderläuft.

Bewusst handeln
Zu redlicher Führung gehört ferner bewusstes Handeln. Also nicht nur ein wie immer geartetes Verhalten, sondern ein Handeln. Es ist gekennzeichnet durch Bewusstheit, Entscheidungsqualität (zwischen Alternativen entscheiden), Zielorientierung, Effizienz und Verantwortung. Was für eine Art Führungskraft jemand ist und wie es um seine Redlichkeit bestellt ist, kann man am besten an der Art erkennen, wie er mit anderen Menschen umgeht. Darin spiegelt sich am deutlichsten sein eigenes Selbstverständnis.

Verantwortung braucht Folgen
Redlichkeit wäre undenkbar ohne die Übernahme von Verantwortung, die ja bereits Teil bewussten Handelns ist. Verantwortung ist allerdings ein sehr aufgeblasener Begriff, aus dem man unbedingt die Luft herauslassen muss. Viele verantworten vieles und verantworten es doch nicht. Wie kommt das? Die Verantwortungsübernahme bleibt – wenn Dinge schief gehen – ohne wirkliche Auswirkung auf das eigene Handeln. Verantwortung gibt es nur dort, wo die Folgen eines Führungshandelns auf die Führungskraft selbst zurückwirken. Wer von den Folgen freigestellt ist, verantwortet nichts. Um Verhalten unabhängig von Sozialnormen als sozialverträgliche beurteilen zu können, braucht man ein ethisches Prinzip. Fairness etwa als oberstes Prinzip hilft auch, selbst Sozialnormen kritisch zu prüfen.

Just do it

  1. Überlegen Sie, für was Sie den Begriff „ wahr” in Anspruch nehmen würden! Ermitteln Sie im Gespräch, was Gesprächspartner für gewiss halten und wie Sie deren Gewissheit mit der Ihren in Einklang bringen können!
  2. Achten Sie in Besprechungen darauf, dass die Mitarbeiter nicht nur zur Sache kommen und reden, sondern auch genau angeben können, um was es in der Sache geht, was also unter, „der Sache“ genau verstanden wird und was der Kern der Sache ist!

Position
Ausgabe 04/06

Position Ausgabe 05/06

Katholisches Sonntagsblatt

RedlichkeitDer Kern der aktuellen ethischen Krise, meinen die Autoren, von denen der eine der Jesuit und Unternehmensberater Rupert Lay ist, gründen in der wachsenden Unredlichkeit, einem unethischen, zunehmend unbewussten Handeln, das in Politik, Mobbing, Ausbeutung und Egoismus zu Tage tritt. Worin bestehen aber die Nachteile? Was könnten die Alternativen sein? Ein Plädoyer für die Etablierung einer neuen Redlichkeit.

Katholisches Sonntagsblatt
Kirchenzeitung für die
Diözese Rottenburg-Stuttgart

Nr. 22 – 28.Mai 2006

KMU Magazin

Werte für die ZukunftUnserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft mangelt es an verbindlichen Werten. Rupert Lay und Ulf D. Posé, zwei renommierte Experten für Ethik in der Wirtschaft, nehmen schonungslos unsere Wertvergessene Gegenwart ins Visier. Sie zeigen, was im Kern unserer ethischen Krise steckt: Es ist Unredlichkeit, ein unethisches Handeln, das zunehmend unbewusst stattfindet. Sie analysieren die Unredlichkeit an Beispielen wie Mobbing, Ausbeutung, Machtbesessenheit. Und sie eröffnen die Perspektive einer neuen Redlichkeit, der wir die Zukunft auf ein tragfähiges ethisches Fundament stellen können.

KMU Magazin
Ausgabe Juni 2006

Position 06/06

Keine Toleranz der IntoleranzProf. Dr. Rupert Lay hat sich vor allem für ein wert orientiertes und ethisches Management sowie die Entwicklung der Führungskräfte zu Führungs-persönlichkeiten eingesetzt. Lay wird im Juni dieses Jahres 77 Jahre alt und schaut auf eine große Lebensleistung zurück. Über 50 Bücher, darunter „Dialektik für Manager” und das neuste Buch über, ,Die neue Redlichkeit” (Campus Verlags) sowie zahlreiche Seminare haben den Jesuiten weithin bekannt gemacht. Eines seiner größten Anliegen ist die Toleranz, die sich neuerdings im Diversity-Management niederschlägt. Und die aktive Intoleranz, die angesichts des Fundamentalismus aktuell ist.

Wo Menschen miteinander arbeiten müssen und wollen, wo Menschen zum eigenen und fremden Wohl erfolgreich engagiert sein wollen brauchen sie vor allem eines Toleranz.
Eine gute Unternehmens- und Führungskultur zeichnet sich durch Toleranz aus. Und zwar in dreierlei Hinsicht: durch Meinungstoleranz, personale Toleranz und aktive Intoleranz.

  1. Meinungstoleranz
    Sie geht davon aus, dass in relevanten Bereichen unsere Überzeugungen niemals nur wahr, sondern Immer untermischt sind mit Täuschung und lrrtum. Wer von sich glaubt, nur seine Sicht sei die einzig wahre, verstößt nicht nur gegen das Gebot der Meinungstoleranz, sondern untergräbt langfristig Seine eigene Autorität. Denn niemand – und das gilt ohne Ausnahme- niemand kann die volle Wahrheit für sich in Anspruch nehmen und wenn er es doch tut, wird er über kurz oder lang eines Besseren belehrt. Mangelnde Meinungstoleranz macht überheblich und beratungsresistent. Kooperation ist mit meinungsintoleranten Menschen nicht möglich. Das gilt gleicher weise für das Verhä1tnis unter Kollegen wie im Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Wird Meinungstoleranz praktiziert, entsteht mehr Offenheit; es bildet sich ein Klima des Vertrauens. Durch die Kooperation der Sichtweisen im toleranten Meinungsaustausch erweist sich die Meinungstoleranz als Bedingung der Kooperation im Praktischen.
  2. Personale Toleranz
    Durch sie wird das Anderssein des Anderen – solange es nichts sozial unverträglich wird – in Bezug auf das eigene Anderssein für gleichberechtigt gehalten. Nur wenn jemand den Anderen in seiner Eigenart achtet und zu schätzen weiß, wird er auch meinungstolerant mit dem Anderen umgehen. Zugleich erweist sich durch Meinungstoleranz, ob es ihm mit dem Respekt vor dem Anderssein des Anderen wirklich ernst ist.
  3. Aktive Intoleranz
    Eine gute Unternehmenskultur ist heute auf Meinungstoleranz und personale Toleranz angewiesen. Führungskräfte können in der Art wie sie mit Meinungen ihrer Kollegen und Mitarbeiter umgehend, dafür Sorge tragen, dass solche Toleranzformen in Klima der Kooperation ü und Kommunikation schaffen.

Dazu gehört auch, gegen Intoleranz aktiv vorzugehen. Intoleranz verdient nichts anderes als aktive Intoleranz. Wenn Führungskräfte bemerken, dass Mitarbeiter wegen ihres Andersseins (Geschlecht, Hautfarbe sexuelle Neigung, Behinderung, Eigenarten) ausge-grenzt und attackiert werden, müssen sie mit aktiver Intoleranz dagegen vorgehen.
In sachlichen Kontexten sind Führungskräfte aufgerufen, für Meinungstoleranz einzutreten und Meinungs-verschiedenheiten gelten zu lassen. Entscheidend ist, aus der Verschiedenheit der Ansichten die Einsicht in den besten Weg zu gewinnen.

Klartext

über ältere Mitarbeiter
Bundesarbeits- und Sozialminister Franz Müntefering hat die Ausgrenzung älterer Arbeitnehmer angeprangert. Er nannte es unakzeptabel dass Männer und Frauen über 50 Jahre aus dem Job gedrängt werden und weniger als 42 % der über 55 Jährigen überhaupt noch erwerbstätig sind, viele davon in sehr geringem Umfang. Allein durch Migration gut ausgebildeter Ausländer werde sich das Problem nicht lösen lassen, wenn dafür viele junge Leute schlecht bis gar nicht ausgebildet blieben und ältere Mitbürger keine Arbeit fänden, obwohl sie gut qualifiziert seien. Die Unternehmen schadeten so sich selbst.

Position
Ausgabe Juni 2006

Deutsches Baublatt

Die neue RedlichkeitPerspektiven für eine neue Ethik Wirtschaft und Gesellschaft mangelt es an verbindlichen Werten, – so lautet die Ausgangsthese von Rupert Lay und Ulf D. Posé. Die Autoren liefern eine schonungslose Analyse der Situation und machen Vorschläge für ein neues ethisches Fundament unserer Gesellschaft Der erste Teil des Buches ist ein Streifzug durch die Geschichte vom Altertum bis zur Neuzeit, dabei wird gezeigt, wie Redlichkeit und Unredlichkeit in verschiedenen Epochen definiert und bewertet wurden. Im zweiten Teil analysieren sie an konkreten Beispielen wie Mobbing, kulturelle Ausbeutung und politische Machtbesessenheit die gegenwärtigen Seiten unredlichen Handelns. Der dritte Teil eröffnet konkrete Perspektiven für eine neue Redlichkeit, um Eigenverantwortung zu stärken, Selbstständigkeit zu fördern und Werte durch verbindliche ethische Grundprinzipien zu schaffen.

Leichte.info

Warum soll man sich in Redlichkeit üben?Weshalb sollte man wohl redlich miteinander umgehen und worin zeigt sich diese Redlichkeit eines Menschen im konkreten Fall? Was überhaupt meint man, wenn man von Redlichkeit spricht? Auf diese und sich daraus ableitenden Fragen versucht das Autorenteam Lay/ Pose im vorliegenden Buch Antworten zu finden und entwirft als Konsequenz schließlich einen Leitfaden zur Etablierung einer neuen Redlichkeit, die auch näher definiert wird, um so friedliche Interaktion im Jetzt möglich zu machen und langfristig gewährleisten zu können.
Zunächst wird verdeutlicht, dass der Begriff Redlichkeit innerhalb der vergangenen Jahrhunderte mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt wurde, bis schließlich Kant sittliche Grundsätze diesbezüglich zur obersten Priorität erhob. Damit rückten alte moralische Maßstäbe in den Hintergrund. Redlich ist nun in erster Linie der Anspruch eines Menschen, sich unabhängig von den Normen sozialer Systeme sozialverträglich zu verhalten. Das scheint für Dogmatiker und Ideologen ein geradezu unlösbares Problem zu sein, denn sie leisten wohl eher der neuen Unredlichkeit Vorschub. Dies kann auch von bedenkenlosen ” Globalisierern” und ” Fusionierern” gesagt werden. Stets verschleiern fragwürdige Denkkostrukte unredliche faktische Positionen, die nicht immer leicht zu enthüllen sind.
Cargo- Kulte (das sind Götzen-Kulte der besonderen Art) gibt es nicht nur in Papua- Neuguinea, auch bei uns frönt man ihnen hemmungslos und schafft eine riesenhafte Plattform für Unredlichkeit. Des weiteren sind die Motive und Mechanismen für so genanntes Mobbing aufschlussreich, wenn man begreifen will, inwieweit unsere Gesellschaft bereits in die Unfairness abgedriftet ist. Politik, Justiz, Wirtschaft, auch private Beziehungen werden vom Virus der Unredlichkeit, deren Ursache letztlich überzogene Egoismen sind, infiziert und machen die Gesellschaft krank. Deshalb haben die Autoren sich viele Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen zu redlichem Handeln führen und konstatieren u.a., dass der redliche Mensch stets das Wesen einer Sache angeben kann, dass er bewusst handelt und die überschaubaren Folgen seiner Handlung übernimmt.
Verantwortung klärt die Zulässigkeit von Handlung. Eine Handlung ist dann redlich, wenn sie eigenes Leben eher mehrt, denn mindert. Unsittlich und unredlich ist ein Mensch, der im anderen nur sich selbst sucht. Um redlich handeln zu können benötigt man eine Wahlmöglichkeit, wenn diese fehlt liegt eine Handlung nicht vor, sondern bloßes Verhalten. Beim Klarwerden all dieser Begrifflichkeiten sind die Verfasser ungemein hilfreich und zeigen in der Folge welche Aufgaben zur Etablierung einer neuen Redlichkeit bewältigt werden müssen. Auch machen sie deutlich, dass die Zeit reif ist den vielen Affären in unserer Gesellschaft ein Ende zu setzen. Zahlreiche Meinungsumfragen verdeutlichen , dass man es einfach satt hat. Bleibt zu hoffen, dass viele Handelnde guten Willens sind und die Überlegungen Professor Dr. Lays und Ulf Poses beherzigen werden.Empfehlenswert!

Leichte.info

Differenzierter Beitrag zur Wertediskussion – lesenswert!Wir leben, so meinen die Wirtschaftsethiker Lay und Posé, im Zeitalter der neuen Unredlichkeit. Diese sei besonders heimtückisch, weil sie in unsere Werte und Ideologien Einlass gefunden hat und geradezu gesellschaftsfähig geworden sei. Wir merken demnach gar nicht mehr, wenn wir unredlich handeln. Zahlreiche Beispiele vor allem aus den Bereichen Wirtschaft und Politik schärfen den Blick und verdeutlichen, in welche Lebensbereiche sich unredliche Ansichten und Handlungen eingenistet haben. Die Autoren sind überzeugt davon, dass sich eine Wende abzeichnet, und zeigen, wie jeder Einzelne diese notwendige Entwicklung in Zukunft unterstützen kann. Die Lektüre ist nicht immer ganz einfach, sondern anspruchsvoll und differenziert. Manch ungewohnte und zunächst verquer erscheinende These lässt den Leser innehalten und regt zum Nachdenken an. Wir empfehlen das Buch allen aufgeschlossenen Menschen, die bereit sind, einen Schritt zur Seite zu treten, um einen kritischen Blick auf unsere derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen zu werfen, und insbesondere allen Führungskräften, die Redlichkeit in ihrem Umfeld fördern und verankern wollen.

Financial Times Deutschland

Bücher-RankingPlatz 8

Die neue Redlichkeit Rupert Lay gilt als gutes Gewissen in der Managerszene. Gemeinsam mit Ulf Posé lotet der ehemalige Jesuitenpater aus, was heute redliches Handeln im Unternehmensalltag ausmacht – und was nicht.

Rupert Lay, Ulf D.Posé
Campus 2006
240 S.
24,90 Euro
ISBN 3593379244

trendbild.de

Wirtschaft: Ethik und Redlichkeit – Werte für die Zukunft.

Manager und Unternehmer mit Durchblick stellen ihre Strategien rechtzeitig auf die ethische Verantwortung der Wirtschaft ein. Die Firmen, die Ethik und Moral im Business außer Acht lassen, kriegen irgendwann – und sei es nach Jahren – die Quittung.

T-Online Business weiß im Juni 2006, dass Firmen immer häufiger auch an ihrem sozialen bzw. umweltfreundlichen Image gemessen werden: “Wer nicht politisch korrekt handelt, wird boykottiert. Weltweit tun das mehr als ein Drittel der Verbraucher. Eine Online-Umfrage des US-amerikanischen Marktforschungsspezialisten GMI, bei der 15.500 Konsumenten aus 17 Ländern weltweit befragt wurden ergab, dass zahlreiche Konsumenten mindestens eine Marke boykottieren.”

Der GMI-Studie zufolge seien die am stärksten boykottierten Firmen Nike, Coca Cola, McDonald’s und Nestlé. Die Deutschen verweigern sich am häufigsten bei McDonalds und Nike, und sie strafen vor allem Unternehmen mit ungerechten Arbeitsbedingungen oder umweltfeindlichen Praktiken durch Boykott. Die Verbraucher achten beim Einkauf häufig darauf, ob Hersteller ‘fair handeln’, d. h. die Produkte nicht unter menschenunwürdigen oder ausbeuterischen Bedingungen angefertigt werden.

Umweltfreundlichkeit der Unternehmen steht auch hoch im Kurs. Produkte aus Ländern, die das Kyoto-Protokoll nicht respektieren, haben bei rund 20 Prozent der deutschen, 33 Prozent der spanischen, 40 Prozent der italienischen und 35 Prozent der chinesischen Abnehmer schlechte Karten.

Peter Felixberger von changeX rezensiert das neue Buch von Rupert Lay und Ulf D. Posé zum Thema Redlichkeit: “Dieses Buch hat einen großen Vorteil: Es ist hinreißend analytisch. Es seziert messerscharf die Logik von unredlichen Handlungs- und Kommunikationsmustern und entlarvt die Unredlichkeit des Denkens und Tuns – auch die der ‘Gutmenschen’… Wer das liest, weiß, was in Sachen Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung in deutschen Landen noch alles zu leisten ist… Es bleibt viel zu tun.”

Der ‘TrendFokus September 2001′ hat in dem Zusammenhang bereits darauf aufmerksam gemacht: “Heute schon Realität: Die Wirtschaftsjunioren initiieren Ende August 2001 in Nürnberg ein ‘Bündnis für Werte’ und stoßen damit die Ethik-Diskussion an.”

Eineinhalb Jahre später ist auch Anja Dilk der Trend klar. Sie schreibt im changeX-Newsletter vom 21. Februar 2003:”Geld und Moral sind in vielen Firmen kein Widerspruch mehr… Mehr und mehr Firmen entdecken den Wert einer eigenen Unternehmensethik. Und es zahlt sich aus. Mitarbeiter sind motivierter, Kunden haben mehr Vertrauen, die Medien applaudieren. Dahinter steht jedoch eine grundsätzliche Diskussion: Moral geht uns alle an. Wir müssen sie auch in der Wirtschaft einfordern. Damit sie in der ganzen Gesellschaft wieder eine Chance hat.”

Eigentlich traurig, dass – 2006 immer noch – über Selbstverständlichkeiten wie Ethik und Moral gesprochen und geschrieben werden muss.

POTENZIALE / TRENDS

10 sehr gering / sehr schwach – 90 sehr groß / sehr stark

80 . Erwartung
50 . Erfüllung
70 . Prognose

Die Erwartungshaltung im Hinblick auf Ethik und Redlichkeit im Busines ist sehr hoch, der Status der Erfüllung nur Durchschnitt, doch die Prognose zeigt mit 70 einen eher hohen Wert.

BUCHTIPP

Die neue Redlichkeit. Von Rupert Lay und Ulf D. Posé. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2006, ISBN 3-593-37924-4.

trendbild.de vom August 2006

Gesellschaft für Wirtschaftsinformation

Manager mit Ethik und Moral!Zur Zeit in allen Medien: Bestechungs-, Bilanz- und Lustreisenskandale von Führungskräften in der Wirtschaft. Das Thema Wirtschaftsethik ist angesagt wie nie.

Monat für Monat erscheint daher ein neues Buch über verantwortungsbewusstes Management, und auf Konferenzen jagt ein Vortrag über Werte den nächsten. Doch dadurch allein wird in den Unternehmen noch nicht moralischer gehandelt.

“Was ist Ethik?”, fragt Ulf Posé die Teilnehmer seiner Seminare zuallererst. Dann – so erzählt er – drücken die Führungskräfte ihr Kreuz durch, sitzen ganz aufrecht und bekommen einen leicht verklärten Blick. Sie sagen so etwas wie: “Ethik ist wichtig” oder “Ethik ist ein ganz ernst zu nehmendes Thema”. “Das ist ja schon mal gut”, sagt Posé dann: “Aber was genau ist Ethik?”

Seiner Erfahrung nach wird es dann meist still. Kaum einer kennt die Antwort: Ethik ist eine Wissenschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, welcher Wert nach welchen Kriterien wie behandelt wird. Oder auch ganz einfach und unwissenschaftlich: Ethik ist die Lehre von Gut und Böse, von richtigem und falschem Verhalten.

Ulf Posé ist Berater, Trainer und zudem Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft. Die Szene, die er bei seinen Seminaren in Wirtschaftsunternehmen weit mehr als einmal erlebt hat, zeigt: Auch in Zeiten, in denen Bestechungs-, Bilanz- und Lustreisenskandale das Thema Ethik haben aktuell wie nie werden lassen, sind viele Führungskräfte nicht im Bilde. Sie tun sich nicht nur schwer zu formulieren, um was es geht. “Sie wissen häufig auch nicht, was Ethik für ihren Berufsalltag bedeutet”, erklärt Posé. “Es fehlt an ethischer Kompetenz.”

Vorträge und Bücher allein werden nicht reichen, um das zu ändern. Zu komplex ist das Thema, zu weit reichend sind die Folgen für das tägliche Handeln einer Führungskraft, wenn sie sich konsequent an Werten wie Respekt, Integrität und Transparenz orientieren will, argumentieren Ethikexperten. “Ethisches Handeln ist eng mit Management- und Entscheidungskompetenz verbunden und kann nicht losgelöst davon betrachtet werden”, erklärt Ulf Posé.

GWI – Online vom 23.05.2006

kriegsgefangenschaft.at

Warum soll man sich in Redlichkeit üben?Weshalb sollte man wohl redlich miteinander umgehen und worin zeigt sich diese Redlichkeit eines Menschen im konkreten Fall? Was überhaupt meint man, wenn man von Redlichkeit spricht? Auf diese und sich daraus ableitenden Fragen versucht das Autorenteam Lay/ Pose im vorliegenden Buch Antworten zu finden und entwirft als Konsequenz schließlich einen Leitfaden zur Etablierung einer neuen Redlichkeit, die auch näher definiert wird, um so friedliche Interaktion im Jetzt möglich zu machen und langfristig gewährleisten zu können.
Zunächst wird verdeutlicht, dass der Begriff Redlichkeit innerhalb der vergangenen Jahrhunderte mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt wurde, bis schließlich Kant sittliche Grundsätze diesbezüglich zur obersten Priorität erhob. Damit rückten alte moralische Maßstäbe in den Hintergrund. Redlich ist nun in erster Linie der Anspruch eines Menschen, sich unabhängig von den Normen sozialer Systeme sozialverträglich zu verhalten. Das scheint für Dogmatiker und Ideologen ein geradezu unlösbares Problem zu sein, denn sie leisten wohl eher der neuen Unredlichkeit Vorschub. Dies kann auch von bedenkenlosen ” Globalisierern” und ” Fusionierern” gesagt werden. Stets verschleiern fragwürdige Denkkostrukte unredliche faktische Positionen, die nicht immer leicht zu enthüllen sind.
Cargo- Kulte ( das sind Götzen-Kulte der besonderen Art) gibt es nicht nur in Papua- Neuguinea, auch bei uns frönt man ihnen hemmungslos und schafft eine riesenhafte Plattform für Unredlichkeit. Des weiteren sind die Motive und Mechanismen für so genanntes Mobbing aufschlussreich, wenn man begreifen will, inwieweit unsere Gesellschaft bereits in die Unfairness abgedriftet ist. Politik, Justiz, Wirtschaft, auch private Beziehungen werden vom Virus der Unredlichkeit , deren Ursache letztlich überzogene Egoismen sind, infiziert und machen die Gesellschaft krank. Deshalb haben die Autoren sich viele Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen zu redlichem Handeln führen und konstatieren u.a., dass der redliche Mensch stets das Wesen einer Sache angeben kann, dass er bewusst handelt und die überschaubaren Folgen seiner Handlung übernimmt.
Verantwortung klärt die Zulässigkeit von Handlung. Eine Handlung ist dann redlich, wenn sie eigenes Leben eher mehrt, denn mindert. Unsittlich und unredlich ist ein Mensch, der im anderen nur sich selbst sucht. Um redlich handeln zu können benötigt man eine Wahlmöglichkeit, wenn diese fehlt liegt eine Handlung nicht vor, sondern bloßes Verhalten. Beim Klarwerden all dieser Begrifflichkeiten sind die Verfasser ungemein hilfreich und zeigen in der Folge welche Aufgaben zur Etablierung einer neuen Redlichkeit bewältigt werden müssen. Auch machen sie deutlich, dass die Zeit reif ist den vielen Affären in unserer Gesellschaft ein Ende zu setzen. Zahlreiche Meinungsumfragen verdeutlichen , dass man es einfach satt hat. Bleibt zu hoffen, dass viele Handelnde guten Willens sind und die Überlegungen Professor Dr. Lays und Ulf Poses beherzigen werden.
Empfehlenswert!

Trainer Kontakt – Brief

Trainer Kontakt-BriefRedlichkeit zeigt sich letztlich im Handeln des Menschen, dann, wenn es voll verantwortet wird. Diese Tatsache ins Gedächtnis zu rufen war wohl auch ein Grund für das neueste Buch von Rupert Lay, Jesuitenpater, Managementtrainer und ethische Instanz, das er zusammen mit Ulf D. Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V. geschrieben hat. Hier wird Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ins Stammbuch geschrieben, welche Redlichkeit notwendig ist, iúm auch in Zukunft glücklich und erfolgreich leben zu können.

Wie jedoch sieht die Wirklichkeit aus? In einer Fülle von Beispielen beschreiben die Autoren in der von Rupert Lay gewohnten schonungslosen Analyse die vielfältigen Arten heutiger Unredlichkeit. Dabei wird dem Leser klar, wie leicht wir in die Falle der Unredlichkeit tappen. Erschwerend kommt hinzu, dass unredliches Handeln häufig nicht mehr als solches erkannt, stattdessen aber für redlich gehalten wird.
Drei Voraussetzungen sind es, die man, will man redlich handeln, erfüllen muss. Erstens gilt es, unterscheiden zu können zwischen Gewissheit und Wahrheit. Die eigene Gewissheit, also das eigene Konstrukt, für Wahrheit zu halten, für Realität, ist eine der wichtigsten Ursachen für Unredlichkeit. Zweitens bedarf es der Erkenntnis, aus der Aristotelischen Regel, nicht nur von Gefühlen zu einer Sache zu reden, sondern auch von der Sache selbst. Der redliche Mensch kann sagen, worüber er spricht. Zum Dritten sollte man lernen, etwas nur dann zu glauben, wenn eine dieser Bedingungen erfüllt ist. Entweder zwei unterschiedliche Quellen mit unterschiedlichen Interessen berichten Gleiches oder eine andere Quelle berichtet etwas, das gegen ihr eigenes Interesse spricht.
Über den ersten Teil, der beschreibt, welches Verhalten im Laufe der Geschichte als redlich galt kommen die Autoren im Weiteren zur Darstellung der neuen Unredlichkeit auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens. Dabei wird ein Problem deutlich: Den Menschen ist nicht klar, dass die neue Unredlichkeit etwas mit Wertlosigkeit zu tun hat. Es gibt Werte, jedoch die heute bestimmenden sind Ansehen, Erfolg und Macht. Dies gilt an erster Stelle für die Wirtschaft. Danach folgt die Politik. Dass zum Nehmen naturgemäß auch ein Geben gehört scheint nicht selten vergessen zu werden – das ist unredlich. Haben, haben. Haben – mehr Macht, Einfluss, Geld – darin liegen neben dem Wertewandel und – verfall bedeutsame Ursachen unserer Unredlichkeit.
Der dritte Teil wird dem Untertitel, „Werte für unsere Zukunft“ in hohem Maße gerecht, indem er eine Fülle von Beispielen einer neuen Redlichkeit für alle Lebensbereiche aufzeigt. Rupert Lay sagt in seiner Biophilie – Maxime: „Handle stets so, dass durch Dein Handeln eigenes und fremdes personales Leben eher gemehrt als gemindert wird.“ Dieses Buch hat ein Höchstmaß an Durchsetzungskraft und Akzeptanz verdient. Lesen wir es, um die Chancen zu einer neuen Redlichkeit für gute Arbeit und erfolgreiches Leben zu erkennen und zu nutzen. Für Entscheider auf allen Ebenen sollte es Pflichtlektüre sein.

Rezensent: Klaus Dannenberg,
Präsident Des Forum Werteorientierung
in der Weiterbildung e.V.
www.forumwerteorientierung.de

Trainer Kontakt – Brief Nr. 55 Juni – Oktober 2006 14. Jahrgang

Wir und die Wirtschaft

Wir und die WirtschaftProfitgier, Raffsucht, Machtstreben, Rücksichtslosigkeit und Egoismus sind Kennzeichen der heutigen Zeit. In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fehlt es an verbindlichen ethischen Werten und Maßstäben – mit gravierenden gesamtgesellschaftlichen Folgen. Rupert Lay und Ulf D. Posé zeigen in ihrem soeben erschienenen Buch “Die neue Redlichkeit Werte für unsere Zukunft”, was im Kern unserer ethischen Krise steckt: die Unredlichkeit. Ein unethisches Handeln, das zunehmend unbewusst stattfindet.

Öffentliche Bibliothek Klaus

Öffentliche Bibliothek Klaus – Weiler

Platz 9 der Bestsellerliste in der
Kategorie Sachbuch in Österreich

Rupert Lay
DIE NEUE REDLICHKEIT
Campus

Das wisu Wirtschaftsstudium

Die wertevergessene GesellschaftRupert Lay: Redlichkeit zahlt sich aus

Ethik ist nicht etwa Gedöns. Sondern sehr wichtig. Rupert Lay liefert in seinem neuen Buch „Die neue Redlichkeit“ nicht nur eine Analyse der heutigen Gesellschaft, sondern zeigt auch, wie die dringende erforderliche neue Redlichkeit aussehen kann. WISU druckt in „Reingelesen“ Auszüge ab.

Waren Menschen nicht schon immer unredlich, haben sie nicht schon immer gelogen und betrogen? Und schreibt nicht bereits eines der zehn Gebote vor, man solle nicht lügen? „Stimmt“, meint Rupert Lay, „doch der Unterschied zu früher ist, dass die meisten Menschen heute kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn sie unredlich sind“.

Ist Lügen und Betrügen also zum normalen Verhalten in unserer Gesellschaft geworden? „Als ich noch Diplomarbeiten bewertete, wies ich die Hälfte zurück, da sie zum großen Teil abgeschrieben waren“, meint Lay, der früher als Professor an der Hochschule St. Georgen in Frankreich unterrichtete. Selbst bei den Dissertationen, die er heute noch begutachtet, findet er immer wieder zahlreiche Plagiate. „Abgesehen davon, dass manche ihre Doktorarbeit gleich ganz von bezahlten Ghostwritern schreiben lassen“.

Doch nicht nur bei Prüfungsarbeiten wird mit allen Mitteln getrickst (s. S. 1024 und WISU 6/06, Seite 766). Der Unredlichkeitsvirus hat sich offenbar längst in allen Teilen der Gesellschaft ausgebreitet. Die zahllosen Bilanzmanipulationen à la Enron, WorldCom, Tyco und Parmalat gehen seit Jahren durch die Presse. Erst kürzlich endete die erste Prozessrunde gegen die ehemaligen Enron – Bosse Jeff Skilling und Ken Lay, der danach an einem Herzinfarkt gestorben ist, mit Schuldsprüchen (s. WISU 6/06, S. 738.)

Doch wer nun meint, das daraufhin in den USA erlassene Sarbanes – Oxley – Gesetz und die zahlreichen Diskussionen zu „Good Governance“ hätten dazu geführt, dass eine neue Redlichkeit in die Unternehmen eingezogen sei, siegt sich getäuscht. Jetzt sind erneut zahlreiche amerikanische Unternehmen ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Diesmal geht es um Manipulationen, bei Aktienoptionen( s. Kasten S. 996).

Ist es gar so, dass das kapitalistische System mit seinem zum Teil extremen Wettbewerb und seinem ständigen Tanz ums goldene Kalb unlauteres Verhalten erst richtig anheizt? Nicht nur, dass der Kapitalismus die Gier anstachelt und sich viele einen möglichst großen Teil vom Kuchen abschneiden möchte. Auch weil nicht jeder zu den Gewinnern zählen kann, wird ohne Hemmungen getäuscht, gelogen und getrickst, um in der immer erbarmungsloser werdenden Konkurrenzgesellschaft nicht unter die Räder zu geraten. In den USA mit ihrem zum Teil hemmungslosen Raubtierkapitalismus ist das besonders gut zu beobachten. So sollte es nachdenkliche stimmen, wenn zwei Drittel von 62.000 befragten Bachelor – Studenten in den USA zugeben, zu unerlaubten Mitteln bei den Prüfungen zu greifen und das überwiegend mit dem hohen Leistungsdruck und der Tatsache begründen, dass die Abschlussnote eine entscheidende Rolle bei späteren Bewerbungen spielt.

Auch im inzwischen hochkommerziellen Sport haben längst Lug und Trug Einzug gehalten. Die ständigen Dopingfälle – man denke nur an die nicht abreißenden Skandale bei den Radrennfahrern – beweisen es immer wieder aufs Neue. Nur wer als Sportler an der Spitze mitmischt, erhält hohe Leistungsprämien und kann lukrative Werbeverträge an Land ziehen.

Auch Rupert Lay sieht diese Zusammenhänge: „Das sind alles wichtige Gründe für die neue Unredlichkeit. Darüber hinaus ist es jedoch so, dass ethischem Verhalten heute generell keine große Bedeutung mehr beigemessen wird“.

Das Problem der neuen Unredlichkeit, so Lay, „Besteht darin, dass sich unsere Konstrukte, also die Modelle, die wir uns im Kopf von der Welt machen, immer weiter von der Realität entfernen. Doch wir halten sie für Realität“. Dadurch gelangen wir zu unredlichen Fehlurteilen, was uns jedoch noch nicht einmal bewusst ist. Das betrifft nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch ganze Systeme.

Ein wichtiges Beispiel ist für ihn neben der Wirtschaft die Politik, wo die Unredlichkeit ebenfalls längst um sich gegriffen hat. Der spektakulärste Fall aus der jüngsten Vergangenheit: Die massiven Steuererhöhungen der großen Koalition – es sind die größten seit Bestehen der Bundesrepublik – . obwohl die SPD die von der CDU vor der Wahl angekündigte Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte im Wahlkampf noch als „Merkel“ – Steuer gebrandmarkt hatte. Nun wird die Mehrwertsteuer sogar um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent erhöht. Als Ausgleich erhielt die SPD ihre heiß ersehnte Reichensteuer, schließlich musste auch sie ihrer Klientel eine Beute vorweisen.

In der Tat ist Politik heute für viele Bürger nur ein anderes Wort für Lüge. Die Wahllügen und gebrochenen Wahlversprechen, die bis heute – nicht nur in Deutschland, sondern mehr oder weniger überall auf der Welt – stattgefunden haben, würden endlose Listen füllen. Kein Wunder, dass Politiker einen ähnlichmiserablen Ruf haben wir Gebrauchtwagenhändler. Auch kein Wunder, dass viele Bürger nicht mehr zur Wahl gehen, weil sie keine Lust verspüren, immer wieder aufs Neue an der Nase herumgeführt zu werden. Lay erinnert in seinem Buch an Gerhard Schröders Wahlversprechen im Jahre 2002, die Arbeitslosenzahl auf 3.5 Millionen zu senken, wovon Deutschland nach wie vor weit entfernt ist.

Man muss Konfliktbereitschaft und kreativen Ungehorsam zeigen

Eine besondere Dimension bekommen Politikerlügen dann, wenn damit gleich ein ganzes Volk in den Krieg gezogen wird, wie es den Amerikanern 2003 beim Angriff auf den Irak erging. Wie sich später – etwa durch die Aussage des damaligen Finanzministers Paul O´ Neill – herausstellte, hatte die Bush – Regierung den Irak gleich zu Beginn ihrer Amtszeit ins Visier genommen und später alles versucht, Kriegsgründe zu erfinden. Die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Iraks, die es nicht gab, und seine angebliche Beteiligung an den Attentaten vom 11.9., die immer wieder direkt und indirekt behauptet wurde, taten ein Übriges, dass sich die USA schließlich mit patriotischem Gebrüll in den Krieg stürzten.

Rupert Lay hat bis heute 43 Bücher geschrieben. Darunter Best- und Longseller wie „Dialektik für Manager“, „Manipulation durch Sprache“, „Führen durch das Wort“, „Ethik für Manager“, und die „Macht der Moral“. Bei seinem neuesten Buch “Die neue Redlichkeit – Werte für die Zukunft“ unterstützte ihn der Unternehmens- und Personalberater Ulf Posé. Beide sind im Ethikverband der Deutschen Wirtschaft engagiert. Lay, der einst Philosophie, Theologie, theoretische Physik, Psychologie und Betriebswirtschaft studierte, gilt vielen als eine Art Ethik – Guru oder als „oberste ethische Instanz in deutschen Wirtschaftskreisen“.

Rupert Lay ist Jesuit, was ihn jedoch nicht daran gehindert hat, so manchen Strauß mit der katholischen Kirche auszufechten, der er vorwirft, sich vor allem um den eigenen Machterhalt zu kümmern. Seine Einstellung zur katholischen Kirche lässt sich am besten in seinem Buch „Nachkirchliches Christentum: Der lebende Jesus und die sterbende Kirche“ nachlesen.

Bereits 1968 eröffnete er eine psychotherapeutische Praxis und führte Trainings für Manager durch. Bis heute bringt er Führungskräften in seinen Seminaren unternehmens-ethische Fragen nahe. „Häufig muss ich meinen Zuhörern allerdings erst einmal den Unterschied zwischen Ethik und Moral erklären“.

Der 77-Jährige saß auch bereits in sechs Unternehmen im Aufsichtsrat. Ginge es nach ihm, würde Wirtschaftsethik heute zu den Pflichtfächern im Wirtschaftsstudium gehören. „Das wäre wichtiger, als beispielsweise Ertragsrechnung zu unterrichten“, meint er.

Lays Buch ist auch ein Streifzug durch die Geschichte der Redlichkeit und Unredlichkeit. Anhand zahlreicher Beispiele, seien es Mobbing. Personalführung, Shareholder Value, politische Ereignisse, Rechtsprechung, kulturelle Ausbeutung und vieles andere mehr, wird gezeigt, wie unredlich unsere Gesellschaft inzwischen geworden ist.

Lay ist jedoch kein Pessimist, sondern der Meinung, dass das Ruder wieder herumgerissen werden kann. Bei vielen Unternehmen und Unternehmensführern beobachtet er inzwischen positive Entwicklungen, Corporate Responsibility, Corporate Citizenship und Corporate Volunteering sind für ihn keine Leerformeln oder gar einfach nur PR – Tricks der Wirtschaft, um sich ein besseres Image zu verschaffen. Lay: „Es gibt zunehmend Unternehmen, die aufgrund echter Überzeugung großen Wert auf Redlichkeit legen.“ Sicher hat auch Lay jahrzehntelanges Wirken dazu beigetragen, dass sich hier einiges ändert.

Der jungen Generation möchte er vermitteln, dass es sich auszahlt, redlich zu sein. „Redlichkeit ist eine positive ökonomische Größe. „Eine Firma wird nicht deshalb Pleite gehen, weil sie sich redlich verhält..“

Lay hält noch weitere Tipps für den Nachwuchs bereit: „Plappern Sie nicht einfach das nach, was andere sagen. Bilden Sie sich stets Ihre eigene Meinung.“ Wichtig sei auch, dass man sich ein gutes Allgemeinwissen zulege und Zivilcourage zeige. Die heutige Jugend erscheint ihm gelegentlich etwas zu angepasst. Man muss Konfliktbereitschaft entwickeln und – sollte es nötig sein – auch kreativen Ungehorsam zeigen.“

wisu vom Montag, 04. September 2006

Rheinischer Merkur

Werthaltig wirtschaftenShoppen bis zum Umfallen, Mobbing im Betrieb, Politiker, die ihre Wähler für dumm verkaufen. Keine Frage, unserer modernen Gesellschaft mangelt es an verbindlichen Werten, die von allen ihren Mitgliedern akzeptiert und praktiziert werden. Ein alarmierender Befund, der sich vor allem im Wirtschaftsleben zeigt. Rupert Lay und Ulf D. Posé ziehen in ihrem neuen Buch eine schonungslos ehrliche Analyse der Zustände. Als Kern der ethischen Krise identifizieren der Jesuit und Querdenker Lay und der Unternehmensberater Posé die „neue Unredlichkeit“. Ein Phänomen, das erschreckt. Vor allem, da ethisch nicht zu verant-wortendes Handeln immer öfter unbewusst stattfindet. Ganz so, als könnten die Menschen nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden. Die Autoren gehen dem moralischen Umbruch auf den Grund. Detailliert untersuchen sie dabei Beispiele wie Mobbing, kulturelle Ausbeutung oder politische Machtbesessenheit und weisen Wege aus der Falle des sittlichen Verfalls. Zum Beispiel beim Thema Management: „In einem redlichen Unternehmen der Zukunft“, schreiben sie, „wird das aufgebaut, was man gemeinhin Unternehmenskultur nennt: die Gesamtheit der Werte, die sich im internen und externen Verhalten des Unternehmens und seiner Angehörigen ausdrücken“. Solche Erkenntnisse machen Mut.

Rheinischer Merkur vom November 2006

Hamburger Abendblatt

Buch der WocheDie neue Redlichkeit von Rupert Lay mit Ulf D. Posé. Erschienen bei Campus, 240 Seiten, 24,90 Euro.

Inhalt: Raffgier, Machtbesessenheit, Ausbeutung – solche Auswüchse, von den Autoren als “Unredlichkeit” zusammengefasst, werden von immer mehr Menschen als tolerierte, ja erwünschte Merkmale unternehmerischen Handelns angesehen. Doch der Mangel an verbindlichen Werten schade allen, schreiben Lay und Posé. Zum Beleg machen sie einen Streifzug durch die Geschichte der Philosophie. Dass sie kühne Thesen aufstellen – in der Antike sei das Dasein zwar grausamer, aber werteorientierter gewesen – sei ihnen ebenso verziehen, wie die Annahme, es mache einen Unterschied, ob der Mensch nach alter oder neuer Unredlichkeit über den Tisch gezogen wird. Denn sie bleiben nicht im Klagen über den Verlust alter Werte stecken, sondern liefern Vorschläge und Beispiele dafür, wie es besser geht.

gut

Präsentation: Wichtige Gedanken schreibt man am besten einfach auf. Lay und Posé tun dies. Wo sie mehr wagen – etwa mit Schaubildern – verwirren sie, statt zu erhellen. Dass sich ihre mit Fremdwörtern und Anglizismen gespickte Sprache dem leichten Lesefluss sperrt, liegt in der Natur der Sache: Das Problem ist komplex und global.

passabel

Praxiswert: Das Buch weckt Lust am Widerspruch und fesselt den Leser trotzdem. Mit Lügen, Mobbing und Schummeleien wird schließlich jeder konfrontiert. Die Autoren holen das Thema aus einer Ecke, in die es allzu gern gedrängt wird – auf Schmusekurs, heißt es heute oft, sei kein modernes Unternehmen mehr zu führen. Das ist nicht nur zynisch, sondern dumm. Ökonomisch und ökologisch erfolgreiches Zusammenleben ist dauerhaft nur nach den Maßstäben der goldenen Regel möglich: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu.

exzellent

Hamburger Abendblatt vom 18.11.2006

MWonline

BuchbesprechungLay und Posé liefern mit ihrem Buch Gedankenanstöße zu werteorientiertem Handeln in allen Bereichen öffentlichen Lebens. Sie gehen dabei von folgenden Thesen aus:

  • Wir leben im europäischen Kulturraum in einer Zeit verloren gegangener Werte,
  • unredliches Handeln entsteht aus dem Fehlen von sittlichen Werten,
  • der Mensch unserer Zeitrechnung merkt oft gar nicht mehr, dass er unredlich handelt, weil sittliche Werte fehlen, an denen er sich orientieren kann,
  • wenn sich der Mensch hauptsächlich an den weit verbreiteten Werten Ansehen, Macht und Erfolg, Haben- statt Gebenwollen orientiert, führt das unweigerlich in die individuelle, gesellschaftliche und globale Katastrophe.

Für ein gelingendes Leben, erfolgreiches Arbeiten und Wirtschaften, gerechte Güterverteilung und friedvolles Zusammenleben der Menschen schlagen die Autoren vor, das Prinzip der Biophilie als oberste ethische Handlungsmaxime und redliches Handeln als Tugend zu etablieren.
Lay formuliert das Prinzip der Biophilie in Anlehnung an den kategorischen Imperativ Immanuel Kants so:

“Handle und entscheide stets so, dass durch dein Handeln und Entscheiden das personale Leben in dir und in der Person eines jeden anderen eher gemehrt, denn gemindert wird.” (S.8)

Woran ist der redlich handelnde Mensch erkennbar? Der redlich handelnde Mensch:

  • folgt der Maxime der Biophilie,
  • hält subjektive Gewissheiten nicht automatisch für Wahrheit, d.h. ihm ist bewusst, dass er sich auch täuschen kann;
  • kann nicht nur von seinen Gefühlen über eine Sache sprechen, sondern vom Wesen der Sache selbst;
  • glaubt nur dann etwas, wenn entweder zwei unterschiedliche Quellen mit unterschiedlichen Interessen das Gleiche berichten oder eine Quelle etwas berichtet, das gegen ihr eigenes Interesse spricht;
  • handelt bewusst und nicht instinktiv oder unreflektiert;
  • trägt Verantwortung für die Intention des Handelns, dessen Ergebnis und das Handeln selbst;
  • bemüht sich um die Ausbildung eines sittlich reifen Gewissens als subjektive Entscheidungsinstanz;
  • lebt eng mit der Redlichkeit korrespondierende Tugenden wie Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit, Tapferkeit, Zivilcourage, Epikie (Handlung nach dem Sinn und nach dem Buchstaben ausrichten), kritische Gerechtigkeit, Besonnenheit und realitätsnahes Urteil.

Das Buch selbst lebt nicht nur von Postulaten und Appellen, sondern von vielen Beispielen redlichen und unredlichen Handelns vornehmlich aus Wirtschaft, Politik, der Juristerei und der Kirche.

Im ersten Teil des Buches werden Formen der Redlichkeit und Unredlichkeit von der Antike bis zur Neuzeit nachgezeichnet.
Der zweite Teil des Buches ist gespickt mit Beispielen der neuen Unredlichkeit.
Die Vision der neuen Redlichkeit skizzieren Lay und Posé im dritten Teil ihres Buches.

Anzeichen einer neuen Redlichkeit glauben die Autoren bereits ausmachen zu können in Konzepten redlicher Unternehmensführung in den Bereichen Corporate Governance, Corporate Volunteering, Corporate Giving und Corporate Citizienship (S. 226 – 232).

Im Anhang des Buches ist das persönliche und unternehmerische Credo der beiden Autoren nachzulesen:
“Ethische Handlungsregeln des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e. V.” Dieser Kodex ist auch im Internet einzusehen unter http://ethikverband.de und auf alle Fälle lesenswert und diskussionswürdig.

Insgesamt gesehen kann ich das Buch von Lay und Posé ohne Einschränkung allen weiterempfehlen, die sich ernsthaft und vertiefend mit der Entwicklung einer am Leben und dem Lebendigen orientierten, globalen Ethik auseinandersetzen wollen.

(MWonline zur Verfügung gestellt von Reinhard Fukerider )