Schließen Ethik und Profit sich gegenseitig aus oder bedingen sie einander?

Ein Unternehmen ist eine gesellschaftliche Veranstaltung zur Produktion disponiblen Kapitals, hat schon Karl Marx gesagt. Bestimmt wird das unternehmerische Handeln primär von der Wettbewerbssituation und (daraus folgend) der ökonomischen Pflicht zur Ertragssteigerung.
Keine bekannte Ethik schließt Gewinnmaximierung per se aus. Damit ist Profit nicht automatisch unethisch. Ein Unternehmen ist verpflichtet, nach Wegen der bewussten Gestaltung unserer Umwelt zu suchen. Andernfalls überließe es alles unternehmerische Handeln der blinden Notwendigkeit, den strukturellen Sachzwängen, dem zufälligen Recht des Stärkeren, der Willkür und dem Chaos. So folgt aus dem Unternehmertum selbst die ethische Vorgabe, die Welt nicht kritiklos so anzuerkennen, wie sie zufällig gerade ist, sondern an ihrer Veränderung derart zu arbeiten, dass wir uns darin erleben als Menschen, die einander hin und wieder die Fähigkeit verbildlichen, dass sie die bewussten Gestalter der Welt sind, in der sie auch leben wollen. Mit dieser Vorgabe ist ein Auftrag, Werte zu setzen und in eine plausible Form zu gießen verbunden.
Die Forderung nach Verzicht auf Gewinnmaximierung ist unethisch, denn diese Forderung zwingt ein Unternehmen letztlich am break even point oder gar unterhalb dessen zu produzieren. Damit wird dem Unternehmen jegliche Möglichkeit genommen, gerechte Löhne zu zahlen, Produktionsbedingungen zu optimieren, ökologisch sinnvoll zu handeln, die Kapitaleigner gerecht zu bedienen und Steuern zu zahlen.
Entscheidend für eine ethische Betrachtung der Gewinnmaximierung sind somit die Rahmenbedingungen, unter denen der Gewinn erwirtschaftet wird. Richtig gesetzte Rahmenbedingungen innerhalb einer Marktwirtschaft und dem Wettbewerb führen zu Vorteilen für alle, fördern den Wettbewerb und in der Wettbewerbswirtschaft die Solidarität der Menschen in viel stärkerem Maße als alle moralischen Appelle.
Diese Rahmenbedingungen sind in der Bundesrepublik durch die Politik sozialverträglich gesetzt. Gleichzeitig gibt es in den meisten Branchen keine Monopolsituation, die Wettbewerb verhindert, allenfalls gibt es Oligopole. Der Konsument ist in der Lage, zu wählen.
Wirtschaftliches Handeln ist dann besonders erfolgreich, wenn außerökonomische Ziele/ Maßnahmen/Handlungen mit ökonomischen Zielen/Maßnahmen/Handlungen optimal verbunden werden. Das schließt Gewinnmaximierung nicht aus, sondern ist wahrscheinlich notwendige Voraussetzung dafür. Ethik ist hierbei das einzig kompetente Medium zur Vermittlung zwischen den nichtökonomischen Interessen/Funktionen von Unternehmen bzw. Märkten. Daraus resultiert die notwendige Symbiose von wirtschaftlichem Handeln und Wirtschaftsethik. Hier entsteht der Bedarf an Wirtschaftsethik, der sich durch die handelnden Personen ausdrückt.
Ein Unternehmen, das Profit und Ethik nebeneinander stellt, hat realisiert, dass eine funktionierende unternehmerische Ethik auch auf den Profit positiven Einfluss nimmt,denn Unternehmen funktioniert auf den wichtigen außerökonomischen Ebenen ohne Wirtschaftsethik Die außerökonomischen Faktoren nehmen jedoch erheblichen Einfluss auf die Gestaltung des Profits.
Die Folge ist: Ethik und Profit bedingen einander. Eine gut funktionierende Ethik im Wirtschaftsraum ist ohne Profit nicht finanzierbar und Gewinnmaximierung ist ohne Ethik suboptimal.