Warum wir ethische Werte in Unternehmen dringend benötigen

Werte hat jeder – auch die Mafia!! Denn: Werte sind zunächst nur das Wünschbare.

Was macht also einen Wert zu einem ethischen Wert?

Ethik bestimmt das Gute. Das Gute für alle Menschen, nicht nur für einen Teil. Das unterscheidet auch Ethik von Moral. Es geht um das optimale menschliche Miteinander, geltend für jeden Menschen.
Ethik ist also eine philosophisch orientierte Wissenschaft, die systemunabhängig das höchste, zu schützende Gut durch kritisches Bedenken bestimmt, und anschließend Handlungen bewertet, die dieses Gut schützen sollen, indem sie sie als geboten, verboten, verwerflich und erlaubt identifiziert.

Bei Ethik geht es ums Nachdenken über das Gute.

Der Unterschied zwischen Moral und Ethik besteht darin, dass Moral teilweise emotionale Ursprünge hat (Ekel, Hass, Angst) sowie kultur- und gesellschaftsabhängig ist nach dem Motto: wie macht man das so bei uns? Ethik hingegen versucht mit Logik auf „absoluten“ Maßstäben aufzubauen.

Bei Moral geht es um die Einhaltung der durch die Gesellschaft festgelegten Normen, sonst gibt’s Druck. Also, die Mafia hat wohl moralische, jedoch keine ethischen Werte.

Ethik kann durchaus als das Nachdenken über Moral verstanden werden.

Übrigens: schon die Sophisten vertraten Auffassung, dass es für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen sei, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird.

Ein weiterer Unterschied zur Moral.

Ethik baut als philosophische Disziplin allein auf das Prinzip der Vernunft. Darin unterscheidet sie sich vom klassischen Selbstverständnis theologischer Ethik, die sittliche Prinzipien als in Gottes Willen begründet annimmt.

Es gibt nicht die Ethik.

  • Aristoteles bot als ethisches Prinzip die Eudaimonia an. Das meinte Glücklich sein, gesegnet sein, erfolgreich sein dadurch, dass das Volkswohl durch den Bürger selbst gemehrt wird.
  • Petrus Abaelard bot als ethisdches Prinzip an, den Willen Gottes zu erfüllen (wer kennt den schon?).
  • Thomas von Aquin bot an, dem Naturgesetz, dem Anspruche der Vernunft zu folgen
  • Imanuel Kant nannte als Prinzip die Würde (siehe Grundgesetz)
  • Utilitarier wollten das größte Glück der höchsten Zahl verwirklicht wissen (später Sozialutilitarismus – das größte Glück unter Berücksichtigung von Minderheiten)
  • George Edward Moore sorgte für emotionalen ethischen Brei. Er forderte als höchstes ethisches Prinzip, man soll seinen ästhetischen Neigungen folgen. Damit ist Willkür Tür und Tor geöffnet.
  • Rupert Lay stellte im Sinne eines Erich Fromm die Biophilie, also die Lebensmehrung, als höchstes universelles ethisches Ziel vor.

Ethik im Unternehmen bedeutet, zwei Ziele miteinander verträglich zu halten:

  1. Wirtschaftliche Ergebnisse mit einem Minimum an Aufwand generieren und gleichzeitig:
  2. ein sozial verträgliches Miteinander pflegen

Braucht ein Unternehmen so etwas? Ist das nicht letztlich akademischer Blödsinn?
Reicht es nicht völlig aus, sich anständig zu benehmen? Nein!

Es gibt eine notwendige Ursache sinnvoller Leitlinien ethischer Natur für Unternehmen.

Ein Unternehmen realisiert mit seinen Beschäftigten nicht nur ökonomische Ziele. Erfolgreiche Manager folgen ausdrücklich oder unausdrücklich fünf Unternehmensfunktionen:

  • Soziokulturell: (es geht um die Versorgung mit Gütern, Innovationen)
  • Operativ-instrumentell: (es geht um die Gestaltung von Strukturen und Prozessen)
  • Führungsfunktion: (es geht um die Integration aller Funktionen)
  • Personal / sozial: (es geht um die bestmögliche Entfaltung der Mitarbeiter und sozial-verträgliche Interaktionen)
  • Ökonomische: (Es geht um den wirtschaftlich vernünftigsten Umgang mit Ressourcen, Kosten, Finanzen, Wertschöpfung)

Die Ausgewogenheit dieser fünf Funktionen gibt Auskunft über die gelebte Bedeutung der Unternehmenskultur in einem Unternehmen.

Nur sie entwickelt bei den Unternehmensmitgliedern die Fähigkeit und Bereitschaft außerökonomische Ziele, Maßnahmen und Handlungen mit ökonomischen Zielen, Maßnahmen und Handlungen zu verbinden und verträglich zu halten.

Allein dies erfordert Richtlinien, nach denen Führungskräfte ihr Handeln gestalten. Denn der Realismusgehalt der Unternehmenskultur ist entgegen der allgemeinen Annahme hoch. Keine Firma funktioniert ohne eine ethisch orientierte Unternehmenskultur. Wie ist das zu beweisen?

1. Beweis:

Menschen – in Unternehmen als Mitarbeiter und in Märkten als Nachfrager – handeln immer aus einem Bündel von Motiven, und unter diesen sind die ökonomischen zwangsläufig in der Minderheit.

2. Beweis:

Menschen – in Unternehmen und Märkten – handeln in komplex zusammengesetzte Realitäten hinein, und in denen sind die ökonomischen zwangsläufig in der Minderheit.

3. Beweis:

Im Unternehmen wie im Markt handeln immer Menschen, immer Menschen mit Menschen, immer Menschen für Menschen. Menschen sind aber immer mehr als nur Arbeitskräfte oder nur Nachfrager. Deshalb lässt sich ein Bild dieser Menschen nur außerökonomisch gewinnen, kann man Menschen in Unternehmen nicht bloß ökonomisch führen, kann man mit den Menschen in den Märkten nicht bloß ökonomisch interagieren. Man kann beides nur auf Grund eines ethisch-motivierten Menschenbildes.

Meine Vorschläge für Unternehmen

Schaffe eine Vertrauenskultur (da ist alles drin!)

Unternehmen haben eine ethische Aufgabe, denn Menschen verbringen einen Großteil ihres Lebens in Unternehmen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Gleichzeitig ist das ökonomische Motiv im Motivbündel von Menschen in der Minderheit. Allein dadurch muss dem Unternehmen auch ein Großteil an Bedeutung bei der Ausbildung des  ethischmoralischen Bewusstseins von Menschen zufallen. Ethik ist demnach nicht etwas, das notwendig von außen an ein Unternehmen herangetragen werden muss, sondern es kann innerhalb des Unternehmens selbst entstehen.

Zudem fällt mit dem globalen und epochalen Wandel unserer Gesellschaft den Unternehmen eine besondere soziale gestalterische Rolle zu. Es ist bereits heute deutlich, dass der Staat immer weniger die Sicherung und Gestaltung der Wohlfahrt erfüllen kann.

Die entscheidende Prämisse für ethisches Handeln steckt im Selbstverständnis eines jeden Unternehmers. Es ist die Prämisse der Freiheit. Demnach will kein Unternehmer sich in einer Welt bewegen, in der alles nach nacktem Determinismus vorherbestimmt ist und ihm nur die Rolle desjenigen zukommt, der der Vorsehung die Kastanien aus dem Feuer holt. Aus diesem Grund erwächst aus dem Selbstverständnis des Unternehmertums die maßgebliche ethische Forderung: Wir sind aufgrund des Bedürfnisses, uns als freie Menschen wahrnehmen zu wollen, verpflichtet, nach Wegen der bewussten Gestaltung unserer Umwelt zu suchen.

Andernfalls überlassen wir alles der blinden Notwendigkeit, den strukturellen Sachzwängen, dem zufälligen Recht des Stärkeren, der Willkür und dem Chaos.

Aus dem Unternehmertum selbst folgt also die ethische Vorgabe, die Welt nicht kritiklos so anzuerkennen, wie sie zufällig gerade ist, sondern an ihrer Veränderung derart zu arbeiten, dass wir uns darin erleben als Menschen, die einander hin und wieder die Fähigkeit verbildlichen, dass sie die bewussten Gestalter der Welt sind, in der sie auch leben wollen.