Weihnachten – eine gute Gelegenheit zu verzeihen

Wir freuen uns auf Weihnachten, das berühmte Fest der Liebe. Wir schenken uns etwas. Entweder Zeit oder Zuneigung oder etwas Materielles, das hoffentlich der Beschenkte auch brauchen kann. Fehlt noch etwas? Ja.

Weihnachten ist eine gute Gelegenheit offensiv zu verzeihen. Wer kennt das nicht? Da hat sich mal jemand daneben benommen, war unwirsch, ist in Fettnäpfchen getreten, und wir waren sauer. „Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben.“ Und man geht sich aus dem Weg. Oft genug denkt man daran, was der andere einem angetan hat. Da hat jemand meinen Geburtstag vergessen, hat nicht zurückgerufen, einen Termin verschlampt oder auch bei Dritten über mich hergezogen. Das Fehlverhalten steht in meinem ‚Rabattmarkenbuch’. Und das Blöde ist, ich fühle mich nicht gut dabei, es kann mich sogar verfolgen. Ich bin wütend, vielleicht hasse ich sogar. Ganz schlimm wird es, wenn ich auf Rache aus bin. Das kann ganz schön am Ego knabbern.

Warum hören wir nicht auf damit? Mit anderen zu hadern, auf jemanden wütend zu sein oder vielleicht sogar den anderen zu hassen, zieht einen ganz schön runter.

Kinder haben eine besondere Fähigkeit, die wir manchmal im Alter verlieren, die Fähigkeit des Verzeihen-Könnens. Das ist die wahre Größe, verzeihen zu können, jemandem zu vergeben. Interessanterweise tue ich nicht nur dem anderen etwas Gutes an, sondern vor allem auch mir selbst, indem ich meine Zeit nicht mehr mit Hadern, Vorwürfen, Rachsucht verbringen muss.

Und Weihnachten ist sicher eine gute Gelegenheit dazu. Ein Telefonat, ein Brief, eine SMS sind gute Gelegenheiten, Menschen zu verzeihen.

Interessant ist, wenn man dramatisiert, also etwas überzeichnet. Bei der psychologischen Forschung mit Menschen, die im Sterben liegen, spielt immer wieder etwas eine Rolle: die Menschen, die ihrem Lebensende entgegen sehen, haben am Ende nur einen Wunsch. Sie wollen versöhnt sterben.

Weihnachten wäre eine gute Gelegenheit, nicht so lange darauf zu warten.

Mit besten Grüßen für eine gesegnete Weihnacht

Ihr Ulf D. Posé