Wenn die Einsicht fehlt

Im Umgang mit Mitarbeitern kann auf zwei Arten geschehen. Der eine Weg ist Führung mit einem Regelwerk. Normen, Vorschriften, konkrete Anweisungen sollen Mitarbeiter dazu anrege, nein dazu zwingen, sich an diesen Normen und Regeln zu halten. Der Weg ist einfach und wenig zeitaufwendig. Der Mitarbeiter muss nur fragen: „Was steht da?“ Und dann muss er nur noch ausführen. Die Folge ist, der Vorgesetzte muss nur noch kontrollieren, ob der Mitarbeiter das gemacht hat, was in der Regel vorgeschrieben ist. Wenn der Mitarbeiter der Vorschrift gefolgt ist, ist alles okay. Wenn nicht, dann folgt die Sanktion. Der Vorteil ist, Regeln sind schnell erstellt, Normen schnell verordnet. Hier ist der Aufwand also sehr gering. Anders sieht es mit dem Aufwand der Kontrolle und dem Verhängen und Durchführen von Sanktionen aus. An der Stelle wird ein Riesenaufwand getrieben, um herauszufinden, ob der Mitarbeiter sich auch an die Vorgaben gehalten hat. Das Problem dieser Vorgehensweis eist, ich erzeuge Furcht oder gar Angst vor möglichen Strafen. Das führt überwiegend zu Vermeidungsaktivitäten nach dem Motto: bloß nicht erwischen lassen!
Anders sieht es aus, wenn ein anderer Weg gewählt wird. Letztlich stammt er aus der Erziehung von Kindern. Ich kann versuchen, Einsicht zu erzeugen. Dazu muss ich den Sinn einer Regel vermitteln, muss erklären, warum die eine oder Andere Vorgehensweise Sinn ergibt. Das ist recht aufwändig. Ich muss erklären, erläutern, mir Zeit nehmen, um klar zu machen, warum eine Vorgehensweise sinnvoll ist. Wenn dann Kinder einsehen, was sinnvoll und richtig ist, halten sie sich viel selbstverständlicher an Regeln. Sie wissen, warum es sie gibt. Sie fragen also nicht mehr, was steht da, sondern sie fragen sich, wozu gibt es diese Regel? Sie versuchen den Sinn einer Norm zu erfüllen, nicht den Buchstabenlaut. Was haben Mama und oder Papa mit dieser Empfehlung gewollt, gemeint?

Das erhöht die Zuverlässigkeit, denn nun will das Kind selbst, aus eigenem Antrieb die Regel erfüllen, weil es eben eingesehen hat, dass die Regel sinnvoll ist. Die Einsicht hilft, auf Kontrollen und Sanktionen zu verzichten. Hier fehlen Furcht oder gar Angst.
Wäre es nicht schön, wenn wir Mitarbeiter ebenso behandeln würden? Wir verlagern die Anstrengung der Erklärung nach vorn, und minimieren den Aufwand der Kontrolle. Und Sanktionen benötige ich in der Regel dann nicht mehr.
Ulf Posé