„Zu viele Führungskräfte und zu wenige Führungspersönlichkeiten“

logo_ma_maChefallüren sind ein böses Wort mit einem wahren Kern – denn allzu oft fehlt Führungskräften die Führungspersönlichkeit, findet der Coach Ulf Posé. Doch das lässt sich ändern.

mm: Von der „Führungskraft zur Führungspersönlichkeit“ ist flink geschrieben – doch wie lang ist der Weg? Und was steht an dessen Anfang?

Posé: Am Anfang einer Persönlichkeit steht die Entwicklung der ersten zehn Lebensjahre. Da entwickelt sich die Orientierung (Umgang mit inneren Konflikten), Integration (Akzeptanz auch der unangenehmen persönlichen Eigenschaften) und Zentrierung (das Handeln aus einer ruhenden Mitte heraus) eines Menschen. Wenn Persönlichkeit sich in dieser Zeit nicht entfalten kann, dann ist es durchaus möglich, durch Arbeit an sich selbst – eventuell auch unter fremder Mithilfe -, Persönlichkeit zu erlernen.

mm: Kann jeder „Persönlichkeit“ lernen?
Posé: Solange Menschen lernfähig bleiben, bleiben sie auch entwicklungsfähig. Fehlt diese Voraussetzung oder die Bereitschaft, dann wird es sehr schwierig, Persönlichkeit zu fördern.

mm: Ist das beschriebene Umlenken ein Luxusproblem oder stiftet es auch einen ökonomischen Nutzen?

Posé: Zunächst einmal geht es um mich selbst. Welcher Mensch will ich sein? Das halte ich nicht für ein Luxusproblem, sondern für eine notwendige Voraussetzung, ein Leben aus erster Hand – und nicht aus zweiter Hand – zu leben. Für mich ist es kein Luxus, über sich selbst zureichend zutreffend zu wissen, wer man ist. Der ökonomische Nutzen lässt sich leicht bestimmen. Je klarer mir ist, wer ich bin, desto sicherer und zutreffender meine Einschätzung für das, was ich kann. Diese Einschätzung senkt Kosten.

mm: Ohne nach Namen zu fragen – wie groß ist der Anteil von Führungspersönlichkeiten in der deutschen Wirtschaft?

Posé: Es gibt sicher zu viele Führungskräfte und zu wenige Führungspersönlichkeiten. In den letzten 33 Jahren meiner Beratungstätigkeit sind mir nur ganz wenige Führungspersönlichkeiten begegnet. Leider ist es durchaus so, dass Führungspersönlichkeiten mit all ihren Ecken und Kanten es schwerer haben, Karriere zu machen, als angepasste Systemagenten, die mit dem Strom auf der Karriereleiter nach oben schwimmen.

mm: Ist das eigentlich ein Thema nur für Wirtschaftskapitäne oder auch das Middlemanagement?

Posé: Es betrifft alle Ebenen eines Unternehmen. Warum sollte Persönlichkeit einer Ebene vorbehalten werden? Ich wünsche mir Persönlichkeiten auf jeder Hierarchiestufe.